2. HBL
Arbeitssieg vor heimischer Kulisse: Ferndorf sammelt die nächsten Zähler gegen Oppenweiler/Backnang ein
TuS Ferndorf vs. HC Oppenweiler/Backnang - Game Highlights
Foto: Burbach
Wer erwartet hatte, dass die TuS-Equipe am Mittwochabend-Spieltag gegen den Tabellenletzten ein Feuerwerk abbrennt, hat sicherlich wenig Erfahrung mit Sportereignissen dieser Art. Denn allzu oft sind es genau diese Spiele, wie in diesem Fall gegen einen sieglosen Tabellenletzten, die in der Spielgestaltung dann eher unter der Kategorie Arbeitssieg verbucht werden. Letztlich siegte der TuS gegen die Gäste aus Oppenweiler/Backnang mit 28:23.
Wenn man Run & Gun Handball erklären möchte, sollte man durchaus die ersten elf Minuten aus dem Mittwochabend-Spiel zu Rate ziehen. Es ging pausenlos hoch und runter, die Tore fielen des öfteren aus der ersten oder zweiten Welle – Abwehrspiel fand auf beiden Seiten so gut wie gar nicht statt und die Torhüter waren die bedauernswertesten Spieler auf dem Feld. Wobei Janis Boieck im Tor der Gäste ein, zwei Mal die Hand an den Ball bekam, so dass es nicht verwunderte, dass der HC Oppenweiler/Backnang die Anfangsminuten dominierte. Timm Buck und Malte Dedering reüssierten aus dem Rückraum. Und der bis Dezember für den TuS spielende Lukas Süsser traf zwei Mal von der Kreisläufer-Position. Und so ging es über ein 3:4 (5.) und 4:7 (6.) bis zum 7:9 in der angesprochenen elften Minute. Die Süddeutschen standen von nun an nicht mehr so brutal auf dem Gaspedal wie in der Anfangsphase, so dass sich auch der Ferndorfer Abwehrverbund mehr und mehr stabilisierte. Zudem stand nun auch Filip Baranasic im TuS-Tor immer öfter goldrichtig. „Es war eine bewusste Entscheidung Filip Baranasic beginnen zu lassen. Er kennt einige Oppenweiler Spieler aus der Vergangenheit, und so kann Can Adanir am Sonntag in seiner Heimat das Spiel beginnen“, gab Klatt einen Einblick in seine Gedanken zum Torwartspiel.
Beim 9:9 war der Ausgleich geschafft, beim 11:10 dann die erste Führung im Spiel für die Rot-Weißen. HC O./B. Co-Trainer Frederik Griesbach, auch Co-Trainer der deutschen Damen-Nationalmannschaft fand nach dem Spiel klare Worte zum schnellen Spiel der ersten Viertelstunde: „Wir tun uns etwas schwerer im gebundenen Spiel. Zudem wollen wir hieraus eine eigene DNA entwickeln, wo diese Spielweise dazugehört. Dazu entwickeln wir uns nun Woche für Woche und haben seit Jahresbeginn, gerade auch abwehrtechnisch, einen großen Schritt nach vorne gemacht.“ Und die Süddeutschen machten den TuS-Jungs, mit einem guten Rückzug und Breite im Spiel, auch weiterhin das Leben schwer. Sören Servos kam ins Spiel – zum einen um Belastung zu steuern, zum anderen aber auch, um dem Spiel mehr Tiefe zu geben. Alles in allem ein Auftritt des Youngsters, der unter die Kategorie „wo gehobelt wird, da fallen Späne“ fällt. Ein weiterer Neuer auf dem Feld kam zu seinem Saisondebüt. Philip Würz durfte endlich wieder ran. Über ein Jahr nach seinem Achillessehnenriss war der Ex-Gummersbacher wieder an Bord. Und musste noch in Hälfte Eins zwei Zeitstrafen des sehr gut leitenden Schiedsrichtergespanns quittieren. Baranasic packte zwischen seine Paraden Vier und Fünf noch schnell einen Assist, und zündete damit die 1207 Zuschauer in der Stählerwiese an. Die Michel & Co. spielten es nun von vorne weg und gingen nach einem Treffer Daniel Hidegs kurz vor der Halbzeitsirene, mit einem 17:15 in die Pause.
„Es war das erwartete Abnutzungsspiel. Wir haben versucht viel zu wechseln, weil wir grippal angeschlagene Spieler hatten“, hofft Klatt auf die Gesundung der betroffenen Spieler bis zum Sonntagspiel in Großwallstadt. Wer geglaubt hatte, dass es in den zweiten dreißig Minuten ein leichtes Spiel würde, sah sich getäuscht. Denn die Gäste ließen sich nicht abschütteln. Dabei taugt der Spieltag am ungewohnten Mittwochabend wohl kaum als Entschuldigung, da den Männern aus dem Rems-Murr-Kreis sogar noch die Busfahrt in den Knochen gesteckt haben dürfte. Einstudierte Varianten funktionierten nicht wie gewollt und auch der ein oder andere taktisch gewählte Ansatz brachte keinen nachhaltigen Erfolg. So war es eine abwartende Stimmung im ansonsten ligaweit so gefürchteten Hexenkessel. Beim 17:17 in der 35.Minute war das Spiel wieder remisiert. Aus einem 20:18 (42.) machten die Oppenweiler innerhalb von drei Minuten ein 20:21. Es war gehörig Druck auf dem Kessel. Den Rot-Weißen fehlte es an Klarheit in den Aktionen. Doch genau dieser neuerliche Rückstand löste etwas aus bei den Nordsiegerländern. Gestützt auf Paraden des nun stark haltenden Baranasics gewannen die Michel & Co. auch im Angriff mehr Sicherheit. Man strahlte nun mehr Torgefahr aus, entwickelte Gefährlichkeit von allen Positionen, so dass zu Beginn der Crunch-Time erstmals ein Drei-Tore-Vorsprung die Anzeigetafel zierte. Griesbach stellte fest: „Wir haben immer wieder gute Phasen im Spiel, wenn wir im System bleiben. Leider brechen wir da noch zu oft aus!“ Aus dem 20:21 war ein 24:21 geworden. Da Baranasic das Torhüter-Duell am Ende hoch gewann, kamen die Gäste nicht mehr so einfach zu Toren wie noch in der Anfangsphase des Spiels. Und so konnten die Klatt-Mannen das Spiel humorlos zu Ende spielen und feierten am Ende einen vielleicht sogar etwas zu hoch ausgefallenen Sieg. Ein 28:23 stand zu Buche, doch über weite Strecken der Partie war der Tabellenletzte ebenbürtig. Wären die von Griesbach angesprochenen Phasen nicht gewesen, wäre für die Süddeutschen sicher mehr drin gewesen.
So aber kann der TuS Ferndorf am kommenden Sonntag mit breiter Brust zum Altmeister nach Großwallstadt fahren. Mit 7:1 Punkten geht man ungeschlagen aus dem Februar. Eine Bilanz, die der TuS-Equipe den nötigen Rückenwind verleihen sollte, um auch in der Untermainhalle in Elsenfeld zu reüssieren. Es ist der Auftakt in einen März, der es in sich hat. Nach dem Spiel in Großwallstadt gastiert der Dessau-Roßlauer HV in der Stählerwiese, was die Fans beider Lager immer zu einem großen Fantreffen inspiriert. Und umrahmt vom spielfreien Wochenende 13.-15.März, gastiert der TuS am 14.März beim Tabellenführer in Bietigheim und empfängt am 28.März den aktuellen Tabellenzweiten Balingen/Weilstetten.













