60 Jahre HBL
60 Jahre HBL: Die erfolgreichsten Tormaschinen der HBL-Geschichte

Foto: Bergmann
Torjäger wie Hans Lindberg, Kyung-Shin Yoon und Lars Christiansen prägten 60 Jahre Bundesliga. In der Spitzengruppe der ewige Torschützenliste tummeln sich die Flügelspieler – und erstaunlich viele Linkshänder.
Ein Weltstar sollte her. Mit dieser Forderung begann die große Karriere von Kyung-Shin Yoon in der Bundesliga. Da nämlich der Hauptsponsor des VfL Gummersbach im Herbst 1995 sein Engagement abhängig machte von der Verpflichtung eines überragenden Profis, geriet der damals 22-jährige Südkoreaner, der bei den WM-Turnieren 1993 und 1995 Torschützenkönig geworden war, ins Visier des Traditionsvereins.
Die Hoffnungen, dass Yoon tatsächlich in die Bundesliga wechseln würde, waren nicht sonderlich groß. Aber als Spieleragent Wolfgang Gütschow einige kuriose Trinkrituale in Seoul erfolgreich überstand und Yoon unterschrieb, lief der Linkshänder am 17. Dezember 1995 tatsächlich das erste Mal auf – und warf sofort sechs Tore beim 25:18-Sieg gegen Düsseldorf. „Das ist eine Rakete“, zeigte sich Düsseldorfs Coach Horst Bredemeier beeindruckt.
Da aber Yoon kein Wort Deutsch verstand und immer nur nickte, wenn VfL-Coach Heiner Brand etwas sagte – daher rührte sein späterer Spitzname „Nick“ – rechnete niemand mit dem sagenhaften Torrekord, den er in den folgenden gut zwölf Jahren aufstellte: Als er im Sommer 2008 aus Hamburg, wo er die letzten zwei Jahre gespielt hatte, in seine Heimat zurückkehrte, standen 2.905 Tore (darunter 642 Siebenmeter) auf seinem Konto. Seine Torquote (7,15 Tore pro Partie) ist bis heute unerreicht, ebenso seine 324 Treffer in der Spielzeit 2000/01. Sieben Mal, auch das ist eine Bestmarke, gewann er die Saison-Torschützenwertung.

Siegesjubel von Kyung-Shin Yoon (HSV Hamburg) im Lufthansa Final Four 2008 gegen HSG Nordhorn. Foto: Bergmann
Jedenfalls schien unvorstellbar, dass jemand den Südkoreaner in der ewigen Bestenliste überholen würde – aber genau das schaffte in der Saison 2023/24 Hans Lindberg, der sogar die Schallmauer von 3.000 Toren durchbrach und nach 17 Jahren Bundesliga auf 3.114 Tore kam. In seiner ersten Bundesliga-Serie hatte der dänische Rechtsaußen mit Yoon beim HSV Handball auf einer Angriffsseite zusammengespielt und unter den wenigen Anspielen des Südkoreaners gelitten. Das sei für Lindberg nicht immer angenehm gewesen, juxte Yoon bevor Lindberg ihn überholte: „Ich freue mich, dass jemand mein Nachfolger wird, den ich mag und sehr schätze.“
Natürlich sei er stolz auf den Rekord, sagte Lindberg nach dem Ende seiner Karriere. Es habe viele harte Momente und viel Arbeit hinter den Kulissen gegeben, auch viele zusätzliche Einheiten im Kraftraum und auf dem Spielfeld. Insbesondere Mikkel Hansen habe ihm mit seiner Arbeitsmoral als Vorbild gedient. „Es ist inspirierend, eine Person auf diesem Niveau zu sehen, die sich immer weiter verbessern will.“ Das Geheimnis seiner langen Karriere? „Das Spiel zu genießen, das Training zu genießen.“
Lindberg ist einer von gleich sechs Flügelspielern, die in den Top Ten der ewigen Torschützenliste geschafft haben, auch Lars Christiansen (2.874/Platz 3), Jochen Fraatz (2.574/4), Robert Weber (2.510/5), Uwe Gensheimer (2.438/7) und der heute noch aktive Marcel Schiller (2.501) profitierten von vielen Tempogegenstößen – und sie alle waren zudem herausragende Siebenmeterschützen. In dem Ranking der meisten verwandelten Siebenmeter führt Christiansen mit 1.223 verwandelten Würfen.
Nur drei Rückraum-Akteure sind unter besten zehn Schützen zu finden: Neben Yoon noch Holger Glandorf (2.428 Tore/Platz 8) und Martin Schwalb (2.232/9). Sie alle sind Linkshänder, deren Würfe, wie Studien behaupten, von den zumeist rechtshändigen Torhütern weniger gut zu lesen sind. Im Ranking der erzielten Feldtore führt Glandorf mit 2.405 Toren in 543 Partien – der Weltmeister von 2007 steuerte zu seinem Rekord nur 23 Strafwürfe bei.
Der Stuttgarter Kai Häfner, der sich mit aktuell 2.149 Toren (Platz 11) anschickt, als vierter Rückraumspieler die TopTen der ewigen Torschützenliste zu entern, ist ebenfalls Linkshänder.
Nur ein Kreisläufer ist unter den besten Zehn: Christian Schwarzer, der mit 2.159 Treffern auf Platz Neun rangiert und noch höher stehen könnte, hätte er nicht zwei seiner Profijahre beim FC Barcelona verbracht. Sein langjähriger Teamkollege beim TBV Lemgo und Deutscher Meister von 1997 und 2003, Daniel Stephan, ist mit 1.940 Treffern der erfolgreichste Rückraum-Rechtshänder. Damit rangiert er „nur“ auf Platz Fünfzehn im Ranking der Tormaschinen in der Bundesliga.












