HBL
ÜberZahl - Die Zahlenkolumne: Marko Grgić, der jüngste 500-Tore-Spieler der HBL-Geschichte

Foto: Weller
Mit 22 Jahren und drei Monaten erzielte Marko Grgić sein 500. Tor in der DAIKIN HBL. Nie zuvor war ein Spieler bei diesem Meilenstein jünger. Datenanalyst Julian Rux blickt in der neusten Ausgabe von „ÜberZahl“ darauf, wie dieser Meilenstein in der sechzigjährigen Historie der „stärksten Liga der Welt“ einzuordnen ist.
In der 48. Minute des Topspiels zwischen der SG Flensburg-Handewitt und den Füchsen Berlin fiel ein besonderes Tor. Mit seinem fünften Treffer des Abends erzielte Marko Grgić am vergangenen Donnerstag das 500. Tor seiner Karriere in der DAIKIN HBL. Ein Meilenstein, den vor ihm erst 429 Spieler in der Geschichte der Liga erreicht hatten.
Grgić ist damit der 430. Spieler im exklusiven 500-Tore-Klub. Und er setzte dabei eine neue Bestmarke. Mit exakt 22 Jahren und drei Monaten ist der Flensburger der jüngste Spieler aller Zeiten, der diese Marke erreicht. Den bisherigen Rekord hielt Uwe Gensheimer, der bei seinem 500. Tor am 28. Februar 2009 gut einen Monat älter war als Grgić heute.

Ein Blick in die Historie zeigt, wie außergewöhnlich dieser Wert ist. Vor Gensheimer hatte Stephan Just den Rekord gehalten. Er erzielte sein 500. Tor im Jahr 2002 im Alter von knapp 23 Jahren. Davor waren Thomas Knorr und Jochen Fraatz die jeweils jüngsten Spieler bei diesem Meilenstein, beide ebenfalls noch unter 23 Jahre alt. Noch weiter zurück lag die Bestmarke bei Erhard Wunderlich, der 1981 mit 24,4 Jahren sein 500. Tor erzielte.
Wunderlich hatte den Rekord wiederum von Arno Ehret übernommen, der 1979 mit 25,8 Jahren die Marke erreichte. Dieser löste kurz zuvor Kurt Klühspies ab, der 1978 wenige Tage vor seinem 26. Geburtstag traf. Der erste Spieler, dem überhaupt 500 Tore in der Bundesliga gelangen, war Hansi Schmidt im Jahr 1971. Damals war er bereits 29 Jahre alt.
Nur acht Spieler haben weniger Spiele benötigt
Auch beim Blick auf die benötigten Spiele ordnet sich Grgić weit vorne ein. Für seine ersten 500 Tore absolvierte er am Donnerstag sein 77. Spiel in der DAIKIN HBL. Unter allen bisherigen Rekordhaltern war nur ein Spieler noch schneller bei den ersten 500 Toren. Hansi Schmidt erreichte die Marke Anfang der 1970er-Jahre zwei Spiele früher.
Insgesamt gibt es sieben weitere Spieler, die für ihre ersten 500 Tore ebenfalls weniger Spiele benötigten als Grgić. Der schnellste von ihnen war Jerzy Klempel. Er erzielte 1986 bereits in seinem 65. Bundesliga-Spiel Tor Nummer 500.

Auffällig ist ein gemeinsames Merkmal dieser acht Spieler. Sie alle kamen aus dem Ausland in die DAIKIN HBL und waren bei ihren ersten Einsätzen in der Liga bereits deutlich älter als Grgić. Der einzige von ihnen, der bei seinem 500. Tor noch keine 25 Jahre alt war, ist Nikola Karabatic. Selbst er war zu diesem Zeitpunkt jedoch mehr als ein Jahr älter als Grgić. Außerdem lohnt sich ein Blick auf Grgics Entwicklungskurve: Für seine ersten 100 Tore benötigte der deutsche Nationalspieler mehr Spiele als die acht Spieler, die insgesamt schneller bei 500 Treffern waren. Er erreichte die Marke nach 27 Einsätzen. Oleg Velyky und Zbigniew Tłuczyński benötigten dafür beispielsweise jeweils nur 14 Spiele.
Im weiteren Verlauf verschiebt sich das Bild allerdings deutlich. Für die Tore von Nummer 300 bis 500 war Grgić fast auf Augenhöhe mit den schnellsten Torjägern der Liga-Geschichte. In diesem Abschnitt waren nur Jerzy Klempel mit 23 Spielen und Mathias Gidsel mit 25 Spielen schneller. Grgić selbst benötigte 26 Spiele. Die Zahlen belegen damit eine klar ansteigende Entwicklungskurve Rückraumspielers.
Bricht Grgic weitere Rekorde?
Der Blick auf aktive Spieler zeigt, wie außergewöhnlich Grgić’ Rekord tatsächlich ist. Aktuell kommt nur ein Profi infrage, der ihn perspektivisch unterbieten könnte. David Móré. Der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen erzielte sein 200. Tor zu Beginn der laufenden Saison und war dabei wenige Tage jünger als Grgić bei dessen 200. Treffer. Um allerdings auch beim 500. Tor jünger zu sein, müsste Móré in den kommenden Jahren eine ähnlich steile Entwicklung hinlegen wie der Flensburger.
Wie außergewöhnlich Grgić’ Weg ist, wird auch im direkten Vergleich mit Uwe Gensheimer deutlich. Der ehemalige DHB-Kapitän hält weiterhin die Rekorde als jüngster Spieler bei 200, 300 und 400 Toren. Sein 200. Treffer fiel bereits im Alter von 19,9 Jahren. Grgić war zu diesem Zeitpunkt rund 1,3 Jahre älter. Erst beim Meilenstein von 500 Toren überholte Grgić die Legende der Rhein-Neckar Löwen.
Gleichzeitig bleibt Grgić selbst weiter auf Rekordjagd. Die Altersbestmarken für die nächsten großen Meilensteine hält erneut Gensheimer. Er erzielte sein 750. Tor im Jahr 2010 mit 23,5 Jahren, durchbrach 2011 kurz vor seinem 25. Geburtstag die 1.000-Tore-Marke und kam 2014 im Alter von 27,4 Jahren auf 1.500 Treffer.
Der anschließende Wechsel nach Paris bremste Gensheimers Bundesliga-Zählwerk jedoch aus. Sein 2.000. Tor in der DAIKIN HBL erzielte er erst nach seiner Rückkehr im Jahr 2020, damals im Alter von fast 33 Jahren. Jünger bei diesem Meilenstein waren Jochen Fraatz, Holger Glandorf, Marcel Schiller und Kyung-Shin Yoon. Der Südkoreaner war 2004 mit 30,7 Jahren der jüngste Spieler bei 2.000 Toren. Insgesamt haben überhaupt nur zwölf Spieler in der Geschichte der Liga diese Marke erreicht.
Noch exklusiver ist der Klub der Spieler mit mehr als 2.500 Toren. Lediglich fünf Profis gelang dieses Kunststück. Auch hier war Kyung-Shin Yoon der jüngste, als er die Marke 2006 kurz nach seinem 33. Geburtstag übertraf. Der einzige Spieler mit mehr als 3.000 Toren ist Hans Lindberg. Sein 3.000. Treffer fiel 2023 im Alter von 42,4 Jahren.

Legt man Grgić’ bisherige Karrierewerte zugrunde, lassen sich vorsichtige Projektionen wagen. Hält er seinen Schnitt von 6,5 Toren pro Spiel, bestreitet weiterhin rund 92 Prozent aller möglichen Spiele und bleibt der DAIKIN HBL treu, könnte er sein 750. Tor bereits im Frühjahr 2027 erzielen. Ob er damit auch den Altersrekord von Uwe Gensheimer brechen würde, hängt dann maßgeblich vom Spielplan und dem genauen Zeitpunkt ab.
Auch die Marke von 1.000 Toren würde unter diesen Voraussetzungen ähnlich früh fallen. Kurz vor dem 25. Geburtstag. Ab dem Meilenstein von 1.500 Toren würde Grgić den Altersrekord dann klar übernehmen. Rechnerisch könnte er sogar Hans Lindbergs bisherigen Höchstwert von 3.115 Toren im Winter 2033 oder 2034 erreichen.
Solche Projektionen bleiben jedoch theoretisch. Karrieren verlaufen nicht linear. Verletzungen, Vereinswechsel oder veränderte Rollen können den Verlauf jederzeit beeinflussen. Entsprechend offen ist der Blick in die kommenden Jahre.
Greifbar ist dagegen bereits der nächste mögliche Rekord. In der laufenden Saison fehlen Grgić nur noch 92 Feldtore bis zur Marke von 500. Gegen die Füchse Berlin erzielte er am Donnerstag zudem sein 400. Feldtor und das als drittjüngster Spieler der Ligageschichte. Nur Uwe Gensheimer und Holger Glandorf waren bei diesem Meilenstein noch wenige Tage jünger.
Um auch sie beim 500. Feldtor zu überholen, müsste Grgić die fehlenden Treffer bis zum Saisonende erzielen. Dafür wären im Schnitt 5,4 Feldtore pro Spiel in den verbleibenden 18 Partien notwendig, sofern er kein Spiel verpasst. Genau diesen Wert erreicht er in der aktuellen Saison bislang. Der nächste Rekord liegt damit bereits in greifbarer Nähe.
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