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Handball-EM: 43 HBL-Spieler kämpfen um EM-Medaillen – und alle vier Halbfinaltrainer haben eine HBL-Vergangenheit

Fotos: Klahn
Welch‘ eine Hauptrunde und welche Halbfinalduelle: Am Freitag kämpfen Deutschland und Kroatien sowie Dänemark und Island um den Einzug ins Finale. Auf dem Feld stehen dann 43 HBL-Profis. Zudem spielen neun der derzeit zwölf besten Torschützen in der HBL.
Mehr DAIKIN Handball-Bundesliga an einem Finalwochenende geht fast nicht: 43 Spieler aus Bundesligavereinen stehen sich am Freitag in den Halbfinals der EHF EURO 2026 gegenüber: 17 Deutsche treffen im ersten Halbfinale um 17:45 Uhr (live bei Dyn) auf sechs kroatische HBL-Profis. Um 20:30 Uhr folgen jeweils zehn Isländer und Dänen von HBL-Klubs im zweiten Halbfinale.
13 HBL-Vereine sind mit ihren Spielern in den Halbfinals vertreten, an der Spitze der VfL Gummersbach (7) und die SG Flensburg-Handewitt (7).
Hinter diesen Spielern liegt die wohl spannendste und ausgeglichenste Hauptrunde, die es jemals bei einer Europameisterschaft gab. Vor dem letzten Spieltag beider Gruppen am Mittwoch stand nur Gastgeber und Topfavorit Dänemark als Halbfinalteilnehmer fest. Deutschland und Frankreich kämpften im alles entscheidenden Hauptrundenfinale um das zweite Ticket in Gruppe 1, in der Parallelgruppe konnten sogar noch vier Mannschaften vor dem letzten Spieltag ins Halbfinale einziehen.
Die Ergebnisse sind bekannt: die DHB-Auswahl feierte einen herausragenden 38:34-Erfolg gegen Frankreich (der ersten EM-Sieg gegen die Franzosen seit 28 Jahren) und entthronte damit den Titelverteidiger. In Gruppe II sicherte sich erst Island durch einen 39:31-Sieg gegen Slowenien das erste Halbfinal-Ticket, danach zog Kroatien mit einem 27:25-Erfolg über Ungarn nach, gewann somit wie Dänemark in der deutschen Gruppe alle vier Hauptrundenspiele und wurde Gruppensieger. Schweden nutzte auch der finale 34:21-Erfolg gegen die Schweiz nichts, das Halbfinalticket wurde mit der 27:35-Klatsche gegen Island sowie dem folgenden Remis gegen Ungarn verspielt.
Somit stehen sich in den Halbfinals gleich drei isländische Trainer gegenüber: Alfred Gislason trifft auf Dagur Sigurdsson, der Deutschland 2016 zum zweiten und letzten EM-Titel geführt hatte und mit dem Gislason gemeinsam im Nationalteam gespielt hatte. Snorri Steinn Gudjonsson, der unter Gislason Nationalspieler wurde, führte Island zum ersten Mal seit EM-Bronze 2010 (wo er selbst noch Spieler war) in ein Halbfinale eines großen Turniers. Alle haben HBL-Vergangenheit, genauso wie der dänische Erfolgstrainer Nikolaj Jacobsen.
Dagegen mussten große Handballnationen wie Spanien, Frankreich und Norwegen in der „Todesgruppe“ in Herning die Segel streichen. Alle drei verpassten die direkte Qualifikation für die WM 2027 in Deutschland, für die Kroatien, Island, Portugal und Schweden ihr Ticket mit einem Platz unter den besten Sechs buchten. Gastgeber Deutschland und Titelverteidiger Dänemark waren direkt qualifiziert.
Im entscheidenden letzten deutschen Hauptrundenspiel gegen Frankreich platzte der Knoten bei Juri Knorr, der mit zehn Treffern auch zum „Player oft he match“ gewählt wurde. „Das war fantastisch, genau diese Leistung von ihm haben wir heute gebraucht“, lobte Andreas Wolff, der zuvor mit insgesamt 35 Paraden in den ersten beiden siegreichen Hauptrundenspielen gegen Portugal und Norwegen der große Held war. „Nun hat Wolff seinen ganz eigenen Blick auf die kommenden Tage in Dänemark: „Die Vorfreude aufs Finalwochenende ist sehr groß, weil du bis zum Ende bei einem Turnier dabei bist. Bei uns im Hotel sind schon viele Mannschaften abgereist, wir sind immer noch da und bleiben bis zum Schluss und haben noch Aufgaben. Das ist ein ganz besonderes Gefühl.“

Aber auch der THW-Torwart weiß, welche Brocken jetzt vor der DHB-Auswahl liegt: „Dass wir vor zwei Wochen zweimal gegen sie in Testspielen gewonnen haben, sagt vor einem Halbfinale gar nichts aus. Die Kroaten standen im letzten Jahr im WM-Finale und haben auch bei diesem Turnier gezeigt, dass sie zu Großem in der Lage sind. Sie haben eine schwierige Ausgangslage nach der klaren Niederlage gegen Schweden gemeistert und haben die Gruppe gewonnen. Kroatien steht absolut zurecht im Halbfinale und ist immer dann am besten, wenn sie mit dem Rücken zur Wand steht.“
Die Partie am Freitag ist das erste Halbfinale gegen die Kroaten bei einem großen Turnier überhaupt. Zweimal – bei der WM 2003 und Olympia 2004 - standen sich beide Teams im Endspiel gegenüber, zweimal gewann das Team vom Balkan. Und bei Europameisterschaften stehen in sechs Partien aktuell fünf Erfolge für Kroatien und nur einer (aus dem Jahr 2002) für Deutschland in der Statistik. Während Deutschland am Freitag sein siebtes EM-Halbfinale bestreitet, ist es für die Kroaten bereits das zehnte – 2008, 2010 und 2020 erreichte man ein Finale, immer gab es Silber.
Sechs Kroaten aus dem EM-Kader spielen aktuell für HBL-Vereine: die beiden Torhüter Matej Mandic (SC Magdeburg) und Dominik Kuzmanovic (VfL Gummersbach) sowie die Feldspieler Veron Nacinovic (THW Kiel), David Mandic (MT Melsungen), Marko Mamic (SC DHfK Leipzig) und Josip Simic (HSG Wetzlar). Zu den zahlreichen Ex-HBL-Profis zählt auch der aktuell erfolgreichste kroatische EM-Torschütze Ivan Martinovic (30 Treffer), der im Sommer 2025 von den Rhein-Neckar Löwen nach Veszprem wechselte. Bester DHB-Werfer ist vor dem Halbfinale Renars Uscins mit 36 Toren. Dagur Sigrudsson trifft im Halbfinale dafür auf drei Spieler, die unter ihm 2016 Europameister wurden: Andreas Wolff, Jannick Kohlbacher und Rune Dahmke.
Und nicht nur die schiere Anzahl von Spielern zeigt die Dominanz und Bedeutung der HBL-Profis bei der Europameisterschaft, sondern auch der Blick auf die Torschützenliste: Neun der zwölf besten Torschützen spielen für Bundesligisten.
Wer sonst als der dänische Füchse-Spieler und Welthandballer Mathias Gidsel führt die Liste – gleichauf mit Francisco Costa – mit 54 Treffern an, Dritter ist Simon Pytlick (Dänemark/Flensburg) mit 51 Toren. Danach folgen aus der DAIKIN HBL August Pedersen (TSV Hannover-Burgdorf/Norwegen/49), Bence Imre (Ungarn/Kiel/46), Domen Novak (Flensburg/Slowenien/39), Omar Ingi Magnusson (Magdeburg/Island) und Renars Uscins (Hannover-Burgdorf/Deutschland) mit je 37, Lenny Rubin (Stuttgart/Schweiz/36) und Emil Jakobsen (Flensburg/Dänemark/35).

Die Liste der HBL-Spieler in den Halbfinals:
VfL Gummersbach (7): Julian Köster, Mathis Häseler, Miro Schluroff, Tom Kiesler (alle Deutschland), Teitur Örn Einarsson, Ellidi Snaer Vidarsson (beide Island), Dominik Kuzmanovic (Kroatien)
SG Flensburg-Handewitt (7): Marko Grgic, Johannes Golla (beide Deutschland), Kevin Möller, Emil Jakobsen, Niclas Kirkelökke, Simon Pytlick, Lasse Möller (alle Dänemark)
SC Magdeburg (5): Lukas Mertens (Deutschland), Magnus Saugstrup (Dänemark), Omar Ingi Magnusson, Gisli Kristjansson (alle Island), Matej Mandic (Kroatien)
THW Kiel (5): Andreas Wolff, Rune Dahmke, Lukas Zerbe (alle Deutschland), Magnus Landin (Dänemark), Veron Nacinovic (Kroatien)
Füchse Berlin (4): Matthes Langhoff, Nils Lichtlein (beide Deutschland), Mathias Gidsel, Lasse Andersson (beide Dänemark)
Rhein-Neckar Löwen (3): David Späth, Jannik Kohlbacher (beide Deutschland), Haukur Thrastarson (Island)
MT Melsungen (2): Arnar Freyr Arnarsson (Island), David Mandic (Kroatien)
TSV Hannover-Burgdorf (2): Renars Uscins, Justus Fischer (beide Deutschland)
Handball Sport Verein Hamburg (2): Frederik Bo Andersen (Dänemark), Einar Thorsteinn Olafsson (Island)
SC DHfK Leipzig (2): Franz Semper (Deutschland), Marko Mamic (Kroatien)
HC Erlangen (2): Andri Mar Runarsson, Viggo Kristjansson (beide Island)
FRISCH AUF! Göppingen (1): Ymir Örn Gislason (Island)
HSG Wetzlar (1): Josip Simic (Kroatien)














