HBL
Lidl Final4: Bergischer HC nach Siebenmeter-Thriller sensationell im Finale

Foto: Klahn
Welch‘ ein BHC-Jubel, welch‘ eine Sensation: Der Bergische HC hat den aktuellen Bundesliga-Tabellenführer SC Magdeburg im zweiten Halbfinale des Lidl Final4 nach Siebenmeterwerfen mit 31:30 bezwungen und steht erstmals in der Vereinsgeschichte im Endspiel des DHB-Pokals. Am Sonntag geht es gegen die Füchse Berlin um die Trophäe.
Geschichte wiederholt sich beim Lidl Final4, zumindest teilweise: Vor zehn Jahren standen sich der Bergische HC und der SC Magdeburg im DHB-Pokal-Halbfinale gegenüber – und nach 60 Minuten war kein Sieger gefunden, nach Verlängerung siegte der SCM schließlich 36:33. Und am Samstag? Nach 60 Minuten heißt es 22:22 – und wieder musste eine Verlängerung über den zweiten Finalisten des Lidl Final4 entscheiden. Aber dieses Mal gibt es auch nach 70 Minuten immer noch keinen Sieger. Im Siebenmeterwerfen hat der BHC dann die besseren Nerven: Erst hält Christopher Rudeck den sechsten SCM-Siebenmeter von Matthias Musche, dann trifft Noah Beyer zum 31:30-Endstand – und wird dann auch als bester Spieler der Partie gekürt.
Die Bergischen Löwen machten ihrem Namen alle Ehre – und kämpften 70 Minuten lang wie die Löwen. Die mitgereisten Fans waren außer Rand und Band, die Mannschaft spielte sich in den ersten 20 Minuten wie in einen Rausch. Während dem HBL-Tabellenführer aus Magdeburg in dieser Phase nur vier Feldtore gelangen, war der BHC-Angriff in einem Flow. Schon in den ersten Minuten legte der Bergische HC kontinuierlich vor, aber als Eloy Morante Maldonado zum 8:5 gegen den großen Favoriten traf, war die LANXESS arena aus dem Häuschen, SCM-Trainer Bennet Wiegert nahm seine Auszeit. In seinem Team standen zu diesem Zeitpunkt nur zwei Torschützen, beides Isländer: Gisli Kristjansson mit drei Feldtoren und Omar Ingi Magnusson mit zwei verwandelten Siebenmetern.
Doch nach der Auszeit schlug der Schwede Felix Claar mit einem Doppelschlag zurück, kurz vor dem Halbzeit-Buzzer glückte dem dreifachen DHB-Pokalsieger mit dem 11:10 die erste und auch einzige Führung vor der Pause, mit einem 11:11 ging es in die Kabine. Zuvor zeigte Eloy Morante Maldonado die spektakulärste Aktion der ersten Hälfte, als er einen Wurf nicht nur blockte, sondern wie ein Fußballtorwart im Flug abfing.
Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: der BHC spielt mit unglaublich viel Kampf, Intensität und Einstellung, der SCM kann sein Tempospiel nicht aufziehen – auch in Minute 40 ist der Spielstand beim 15:15 noch ausgeglichen. Waren es am Anfang die Magdeburger Isländer, drückte nun der Schwede Claar der Partie seinen Stempel auf. Auf der anderen Seite war es eine mannschaftliche Glanzleistung des Aufsteigers, der zudem auf den starken Torwart Christopher Rudeck und eine unglaublich bewegliche Deckung bauen konnte.
Der Lohn der Mühen: die 18:17-Führung in der 50. Minute, auch fünf Minuten vor dem Ende lag der BHC mit 21:20 vorne – aber dann: durch einen Doppelschlag von Albin Lagergren ging der SCM erstmals nach dem 15:14 wieder in Führung. Als dann auch noch Sergey Hernández einen Wurf abwehrt und Magdeburg im Gegenzug einen Siebenmeter erhält, hat der HBL-Tabellenführer die große Chance zur ersten Zwei-Tore-Führung. Doch Christopher Rudeck hält den Wurf von Manuel Zehnder, seine dritte Siebenmeter-Parade, auf der anderen Seite gleicht Aron Seesing aus. Mit Ausnahme des Magdeburger Blocks steht die ganze LANXESS arena hinter dem BHC.
Doch 30 Sekunden vor dem Ende leistete sich der Bergische HC einen Ballverlust im Angriff, elf Sekunden vor dem Ende nahm Wiegert seine letzte Auszeit, aber die Magdeburger kommen nicht zum Wurf, erhalten aber einen direkten Freiwurf. Felix Claar scheitert am Block – Verlängerung!
Nach fünf Minuten lag der BHC knapp mit 25:24 vorne – und hielt die Führung bis sechs Sekunden vor dem Ende der Verlängerung. Dann aber traf Omar Ingi Magnusson per Siebenmeter zum 27:27 – zum zweiten Mal in der Final4-Geschichte seit 1995 muss ein Siebenmeterwerfen über den Sieger entscheiden. 2002 war es der SC Magdeburg, der Nordhorn 39:38 bezwang. In Köln aber scheiterten gleich drei SCM-Spieler von der Linie – und nach Noah Beyers letztem Wurf stand die LANXESS arena kurz vor dem Bersten. Die größte Sensation seit dem Umzug nach Köln vor drei Jahren war perfekt – erstmals überhaupt steht der BHC im Pokalfinale.













