HBL
Vor dem Nordderby: Flensburg will nach European-League-Pleite gegen Kiel die Bundesliga-Serie ausbauen

Foto: Anderson-Jensen
Der Tabellenvierte empfängt den Tabellenzweiten – eine Konstellation, die in der DAIKIN Handball-Bundesliga ohnehin Spannung verspricht. Am Samstagabend erhält dieses Duell jedoch eine zusätzliche Brisanz, wenn der THW Kiel im Nordderby auf die SG Flensburg-Handewitt trifft.
Zum insgesamt 116. Mal treffen der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt am Samstag (20:00 Uhr, live bei Dyn) im schleswig-holsteinischen Landesderby aufeinander.“ Der „Nord-Classico“, so etwas wie Real Madrid gegen FC Barcelona oder Dortmund vs. Schalke im Fußball. In der HBL ist es das 77. Duell der beiden Nordrivalen.
Das Besondere bei diesem Derby: erst am Dienstag standen beide Teams an gleicher Stelle, der Kieler Wunderino-Arena, auf dem Feld. Der THW gewann in der European League auch das Rückspiel mit 36:29 – dem deutlichsten Resultat aller 16 bisherigen internationalen Duelle beider Klubs. Allerdings stand der im Europapokal weiter verlustpunktfreie THW, der das Hinspiel in Flensburg 32:30 gewonnen hatte, bereits vorher als Gruppensieger und die SG bereits als Gruppenzweiter fest.
Egal, Derbysieg ist Derbysieg meint Kiels Rückraumspieler Nikola Bilyk: „Nach der Enttäuschung im Ligaspiel in Stuttgart wollten wir zeigen, dass wir deutlich besser Handball spielen können. Wir haben entspannt gespielt, ohne die vielen Gedanken im Kopf, etwas verkehrt zu machen. Das Spiel und der Sieg taten gut.“
Denn während der THW international die European-League-Hauptrunde mit sechs Punkten Vorsprung vor der SG abschloss, sieht es in der DAIKIN Handball-Bundesliga ganz anders aus: Kiel hat die letzten beiden Partien verloren: dem 27:34 zuhause gegen Gummersbach folgte zuletzt das 27:32 in Stuttgart, die erste Kieler Niederlage überhaupt gegen die Schwaben. Anders die Flensburger: nach der Auswärts-Niederlage in Gummersbach zum Start ins Jahr 2026, haben sie danach alle vier HBL-Partien gewonnen, zuletzt mit 36:28 gegen Leipzig. In der Tabelle liegen somit vor dem seit Monaten ausverkauften Derby schon fünf Punkte zwischen dem Tabellenzweiten Flensburg (39:9) und dem Vierten aus Kiel (34:14), der zudem schon zehn Punkte hinter Spitzenreiter SC Magdeburg liegt.
Dazu kommt die Tatsache, dass die SG die letzten fünf Duelle in der Liga gegen den THW gewann, zuletzt mit dem 36:34 im Hinspiel. Den letzten Kieler Erfolg in der HBL gab es mit dem 29:19 im April 2023. Obwohl der Rekordmeister die letzten beiden Heimspiele gegen den aktuellen European-League-Sieger verloren hat, ist die Heimbilanz mit 30:6 Siegen bei zwei Remis deutlich zugunsten des THW. Insgesamt steht es nach 76 HBL-Duellen 42:31 für die Kieler.
Nach 24 Spieltagen stellt Flensburg mit 846 Treffern den zweitbesten Angriff der Liga hinter den Füchsen Berlin (854) und hat bereits 106 Treffer mehr erzielt als der THW (739). Das liegt vor allem am „Tor-Trio“ der SG: Simon Pytlick (141 Treffer), Marko Grgić (137) und Emil Jakobsen (136), das gemeinsam 414 der 846 SG-Treffer erzielte. Dennoch liegt der beste THW-Werfer, wenn auch hauchdünn, vor diesem Trio: Elias Ellefsen á Skipagøtu steht aktuell bei 142 Toren. Dafür haben die Kieler mit 703 Gegentreffern die bessere Abwehr als die SG (749).
Beide Seiten blasen vor dem zweiten Derby binnen vier Tagen zum Angriff: „Die Leistung vom Dienstag sollte Warnung sein: Wir müssen mehr investieren. Wir haben nun drei Tage Zeit, um vieles besser zu machen. Wir freuen uns auf ein heißes Derby. Die Halle hat noch mehr zu bieten – und wir haben mehr zu bieten“, sagte SG-Kapitän Johannes Golla. THW-Trainer Filip Jicha meinte nach dem Sieg am Dienstag: „Gegen Flensburg ist die Rivalität immer hoch, aber es war sehr fair und freundlich von allen Akteuren. Das Spiel war wie ein Warm-up für das Spiel am Samstag. Es wird dann eine ganz andere Aufgabe mit einer ganz anderen Struktur und ganz anderen Emotionen. Hoffentlich können wir die nötige Leichtigkeit mitnehmen.“













