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ÜberZahl – Die Zahlenkolumne: Warum der SC Magdeburg Deutscher Meister wurde

Mittwoch, 10. Juni 2026

Foto: Schulze

Zum dritten Mal in den vergangenen fünf Jahren steht der SC Magdeburg an der Spitze der DAIKIN HBL. Welche Stärken zeichneten den SCM aus und welche Gemeinsamkeiten gibt es mit den Meisterteams von 2021/22 und 2023/24? In der neuen Ausgabe von „ÜberZahl“ analysiert Datenanalyst Julian Rux die Zahlen hinter dem Titelgewinn.

Erneute Rekorde in der Offensive 
Wer auf die reine Torausbeute blickt, findet den SC Magdeburg nicht einmal an der Spitze. Mit 32,8 Toren pro Spiel erzielte der Meister lediglich die drittmeisten Treffer der Liga. Die Anzahl der Tore allein sagt allerdings wenig über die tatsächliche Qualität eines Angriffs aus. 
Entscheidend ist vielmehr, wie effizient ein Team mit seinen Ballbesitzen umgeht. Und genau hier setzte Magdeburg in der abgelaufenen Saison neue Maßstäbe. 
70,3 Prozent aller Würfe fanden ihren Weg ins Tor. Das ist nicht nur der beste Wert der aktuellen Saison hinter den Füchsen Berlin, sondern auch einer der höchsten Werte, die jemals in der DAIKIN HBL gemessen wurden. Aus dem Feld stellte der SCM sogar einen neuen Rekord auf. 70,6 Prozent aller Feldwürfe wurden erfolgreich abgeschlossen. Damit übertrafen die Magdeburger ihren eigenen Bestwert aus der Vorsaison nochmals knapp. (Daten sind hierfür zwar erst seit 2015/16 verfügbar, da die Wurfeffizienz im Handball allerdings allgemein so hoch ist wie noch nie, kann davon ausgegangen werden, dass dies historische Rekordwerte Zeiten sind.)
Dass diese Zahlen kein Zufall sind, zeigt auch der Blick auf die Einzelspieler. Unter den neun Spielern mit der besten Feldwurfquote bei mindestens 180 Versuchen finden sich gleich drei Magdeburger. Omar Ingi Magnússon belegt Rang drei, Gísli Kristjánsson Rang sechs und Felix Claar Rang neun.
Hinzu kommt eine weitere große Stärke. Kein Team ging so sorgfältig mit dem Ball um wie der SCM. Lediglich 13,1 Prozent aller Angriffe endeten mit einem Ballverlust. Seit entsprechende Daten erfasst werden, gab es nur zwei Kieler Mannschaften, die minimal bessere Werte erreichten. 
Qualität statt Quantität 
Trotz dieser herausragenden Effizienz stellte Magdeburg weder den torreichsten noch den schnellsten Angriff der Liga. Der Grund liegt im Spieltempo. 
Während die Füchse Berlin und die SG Flensburg-Handewitt auf deutlich mehr Ballbesitze pro Spiel kamen, spielte der SCM kontrollierter. Die eigenen Angriffe dauerten durchschnittlich 34,3 Sekunden. Gleichzeitig zwang die Magdeburger Defensive ihre Gegner zu den zweitlängsten Ballbesitzphasen der Liga. 
Dadurch kam der SCM auf lediglich 51,4 Ballbesitze pro Spiel und damit auf einen der niedrigsten Werte der Liga. Die Füchse Berlin hatten beispielsweise rund zehn Prozent mehr Angriffe pro Partie und damit automatisch mehr Gelegenheiten, Tore zu erzielen. 
Um diesen Effekt herauszurechnen, bietet sich die Kennzahl „Tore pro 50 Ballbesitze“ an. Hier lag Magdeburg mit 31,9 Treffern klar auf Platz eins der Liga. 
Tatsächlich war der Angriff des SCM damit sogar der effizienteste seit Beginn der verfügbaren Datenerfassung im Jahr 2019/20. Kein anderes Team erreichte bislang einen besseren Wert.
Warum Magdeburg so effizient ist 
Der Schlüssel liegt vor allem in der Qualität der Abschlüsse. 
Wie schon in den vergangenen Meisterjahren erspielte sich Magdeburg die besten Wurfpositionen der Liga. Die sogenannte Wurfqualität, also die erwartete Trefferquote auf Basis aller Abschlüsse, lag bei 66,6 Prozent und damit höher als bei jedem anderen Team. 
Anders gesagt: Selbst ein durchschnittlicher Bundesligaspieler würde aus den Chancen des SCM häufiger treffen als bei jedem anderen Verein. 
Passend dazu hatte Magdeburg die kürzeste durchschnittliche Wurfdistanz im Positionsangriff. Mit nur 6,1 Metern wurde näher am Tor abgeschlossen als bei jedem anderen Team. Gleichzeitig nahm der SCM ligaweit die wenigsten Distanzwürfe aus mehr als 8,5 Metern und holte die meisten Siebenmeter pro Spiel heraus. 
Genau diese Kombination prägt den Magdeburger Spielstil seit Jahren. Das Team sucht konsequent Abschlüsse mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit und vermeidet schwierige Würfe aus ungünstigen Positionen. 
Das Siebenmeter-Problem 
So dominant der SCM im Angriff auch war: Eine Kategorie sticht als klare Ausnahme heraus. 
Trotz der ligaweit meisten herausgeholten Siebenmeter verwandelten die Magdeburger lediglich 69,5 Prozent ihrer Strafwürfe. Nur die HSG Wetzlar kam auf einen noch niedrigeren Wert. Besonders bemerkenswert ist dabei ein kurioser Nebeneffekt. Der SCM traf in dieser Saison besser aus dem Feld als von der Siebenmeterlinie.
Die Probleme verteilten sich dabei auf nahezu alle Schützen. Insgesamt traten sechs Spieler mehrfach zum Strafwurf an. Nur Matthias Musche lag mit 80,6 Prozent über dem Ligadurchschnitt von 75,1 Prozent. Damit spielte der Linksaußen sogar eine der besten Siebenmeter-Saisons seiner Karriere und gehörte ligaweit zu den vier erfolgreichsten Schützen mit mindestens 30 Versuchen. 
Bei Tim Hornke, Omar Ingi Magnússon, Philipp Weber, Sebastian Barthold und Manuel Zehnder sah das anders aus. Mit Ausnahme von Weber blieben alle deutlich unter der Marke von 70 Prozent. Besonders auffällig.: Fast alle lagen mehr als sieben Prozentpunkte unter ihrem jeweiligen Karriere-Durchschnitt. 
Zu den schwachen Quoten kam auch noch fehlendes Wurfglück. Nur 13,8 Prozent ihrer Fehlwürfe landeten wieder in den eigenen Händen. Seit Beginn der Datenerfassung gab es lediglich ein Team mit einem noch niedrigeren Wert: Die Füchse Berlin in ihrer Meistersaison 2023/24. 
Angesichts der sonstigen Rekordwerte blieb dieses Manko für den SCM allerdings ohne größere Folgen. 
Meister wird man nicht nur im Angriff 
Den Titelgewinn allein mit der Offensive zu erklären, würde dem SC Magdeburg nicht gerecht werden. Auch defensiv gehörte der SCM zu den besten Mannschaften der Liga. 
Mit 26,5 Gegentoren pro 50 Ballbesitze stellten die Magdeburger die zweitstärkste Defensive der Saison. Nur der VfL Gummersbach ließ pro Ballbesitz minimal weniger zu. 
Besonders interessant wird das Bild beim Blick auf die sogenannten Advanced Stats. Denn Magdeburg verteidigte nicht nur erfolgreich. Die Mannschaft kontrollierte auch, aus welchen Positionen ihre Gegner überhaupt zum Abschluss kamen. 
Kein Team zwang seine Gegner zu einer höheren durchschnittlichen Wurfdistanz im Positionsangriff. Mit durchschnittlich 7,0 Metern mussten die Gegner weiter entfernt vom Tor abschließen als gegen jede andere Mannschaft der Liga. 
Dazu kam der höchste Anteil an Distanzwürfen aus mehr als 8,5 Metern und damit die niedrigste gegnerische Wurfqualität der gesamten DAIKIN HBL. Würden durchschnittliche Bundesligaspieler alle Würfe übernehmen, die Magdeburg zuließ, läge die erwartete Trefferquote bei lediglich 60,7 Prozent. Auch das war Ligabestwert. 
Damit erzeugte der SCM in der Defensive genau das Gegenteil dessen, was er im Angriff selbst suchte. Während die eigene Offensive regelmäßig beste Abschlusspositionen kreierte, zwang die Abwehr ihre Gegner zu schwierigen Würfen aus ungünstigen Lagen. 
Die Folge: Die Gegner kamen lediglich auf eine Wurfquote von 59,0 Prozent. Nur gegen wenige Teams wurde noch schlechter getroffen. 
Eine kleine Schwäche im Gegenstoßspiel 
Eine weitere Magdeburger Stärke der vergangenen Meisterjahre war die Fähigkeit, Ballverluste zu erzwingen und daraus schnelle Gegenstoßtore zu erzielen. 
Genau in diesem Bereich fiel der SCM in der abgelaufenen Saison etwas hinter die eigenen Maßstäbe zurück. 
Lediglich 17,3 Prozent der gegnerischen Ballverluste führten unmittelbar zu einem eigenen Ballgewinn. Das war nur der zehntbeste Wert der Liga und zugleich der niedrigste Magdeburger Wert seit Beginn der Datenerfassung. 
Zum Vergleich: In den Meisterjahren 2021/22 und 2023/24 belegte der SCM in dieser Kategorie jeweils einen Platz unter den Top zwei der Liga. Damals lag die Quote bei 21,9 beziehungsweise 20,6 Prozent. 
Dass Magdeburg trotzdem Deutscher Meister wurde, zeigt allerdings vor allem, dass die Mannschaft in nahezu allen anderen Bereichen so stark war, dass diese kleine Schwäche kaum ins Gewicht fiel. 
Die Meisterformel 
Die Zahlen zeigen deutlich, warum der SC Magdeburg erneut ganz oben steht. 
Wie schon in den beiden vorherigen Meistersaisons stellte der SCM den effizientesten Angriff der Liga. Die Mannschaft erspielte sich die besten Wurfpositionen, traf historisch gut aus dem Feld und leistete sich kaum Ballverluste. 
Gleichzeitig gehörte die Defensive erneut zur absoluten Spitzengruppe. Gegner mussten schwierige Würfe aus großer Distanz nehmen und kamen nur selten zu hochwertigen Chancen. 
Selbst Probleme bei den Siebenmetern oder die im Vergleich zu früheren Jahren geringere Gegenstoßausbeute konnten daran nichts ändern. 
Die Daten bestätigen damit eindrucksvoll, was die Tabelle am Ende zeigte: Der SC Magdeburg war auch in dieser Saison die kompletteste Mannschaft der DAIKIN HBL. 
Mehr von Datenanalyst Julian Rux findet ihr auf Handballytics.de. Dort gibt seine neusten Artikel, in denen er aus neuen, datenbasierten Blickwinkeln alle möglichen Themen rund um den Handball analysiert. Ihr findet ihn auch auf Instagram, Bluesky, Threads und den WhatsApp-Kanälen.
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