International
Deutschland stürmt ins Halbfinale: Medaillen-Träume nach Erfolg gegen Frankreich

Foto: Klahn
Die deutsche Nationalmannschaft hat das letzte Hauptrunden-Spiel gegen Frankreich für sich entschieden und damit das Halbfinal-Ticket bei der Europameisterschaft gelöst. Beim 38:34 (19:15) glänzte besonders Juri Knorr, der die Torschützenliste mit zehn Treffern anführte. Das DHB-Team um Bundestrainer Alfred Gislason darf nun weiterhin von den Medaillen träumen.
Juri Knorr ballte schon kurz vor der Schlusssirene die Siegerfaust, dann gab es bei Deutschlands Handballern kein Halten mehr – der Gold-Traum lebt! Angeführt vom überragenden Spielmacher Knorr ist das Team von Bundestrainer Alfred Gislason ins EM-Halbfinale gestürmt. Das DHB-Team entthronte Titelverteidiger Frankreich im Hauptrunden-Finale von Herning dank einer Offensiv-Gala und am Ende starker Nerven mit 38:34 (19:15) und greift zehn Jahre nach dem Coup von Krakau wieder nach Europas Handball-Krone.
"Ich bin extrem stolz auf die Mannschaft", sagte Gislason im ZDF, "dass wir im Halbfinale stehen, ist eine phänomenale Leistung, wenn man diese Gruppe sieht. Jetzt wollen wir auch ins Finale."
Das deutsche Team zeigte im "Alles-oder-Nichts"-Spiel am Freitagabend seine beste Turnierleistung. Vor allem Knorr habe die Mannschaft dabei "getragen", sagte Gislason, "er war großartig", denn der Rückraumspieler brillierte gegen die hoch gehandelten Franzosen. Der Mann mit dem Zopf, der bei der EM bislang hinter den großen Erwartungen geblieben war, dirigierte geschickt das Angriffsspiel und strahlte zu jeder Zeit Torgefahr aus.
"Die letzten Tage waren nicht einfach, ich habe schon viel gegrübelt", sagte Knorr, der vor 10.850 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen mit zehn Toren zum besten deutschen Werfer avancierte. "Aber man muss einfach weitermachen. Ich habe gehofft, dass es noch in diesem Turnier klappt, jetzt bin ich glücklich."
Ausschlaggebend für den nächsten großen Sieg gegen den WM-Dritten waren in der Schlussphase auch die guten Nerven. Als Frankreich sieben Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor herankam, blieben Kapitän Johannes Golla und seine Mitspieler cool. Auf wen die DHB-Auswahl im Halbfinale am Freitag trifft, steht noch nicht fest. Infrage kommen Island oder Kroatien. Für Deutschland geht es am Wochenende um die erste EM-Medaille seit dem Gold-Coup von 2016.
Der Wille war dem deutschen Team von Beginn an anzumerken. Mit Wolff, der nach dem Dänemark-Dämpfer in die Startformation zurückkehrte, im Tor und ganz viel Offensivdrang legte die DHB-Auswahl los. Hinten machte Franzosen-Star Dika Mem der deutschen Deckung zwar zu schaffen, doch die Angriffseffektivität war diesmal top.
Als nach ausgeglichener Anfangsphase (7:7) auch die deutsche Deckung auf Betriebstemperatur kam, acht Minuten ohne Gegentreffer blieb und dazu Wolff nach einer Viertelstunde noch die ersten Bälle zu fassen bekam, setzte sich Deutschland binnen kurzer Zeit auf 11:7 (18.) ab. "Angriff ist super. Da machen wir weiter unser Ding nach vorn", sagte Gislason: "Unser Problem war bislang nur Dika Mem. In der zweiten Welle versuchen wir den offensiver anzunehmen, ansonsten ist die Abwehr da. Andi ist super."
Gesagt, getan. Vor allem Kreisläufer Justus Fischer und der eingewechselte Knorr drehten nun richtig auf. Das Tor zum 15:11 (25.) bedeutete Knorrs fünften Treffer im fünften Versuch, zur Pause stand er sogar bei sechs. "Wir brauchen weiter Kompaktheit, Härte und Intensität", sagte Matthes Langhoff in der Halbzeit im Zweiten: "Wir müssen weiter voll fokussiert sein, 100 Prozent geben und keinen Schritt zurückweichen."
Dies beherzigte allen voran Knorr. Als er mit seinem Treffer beim zehnten Wurf zum 24:19 (35.) einnetzte, musste selbst er kurz grinsen. Doch Frankreich ließ sich nicht entmutigen und robbte sich wieder heran. Weil das DHB-Team und auch Knorr sich nun einige Fehlwürfe erlaubten, schmolz die Führung bis zwölf Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor (29:28).
Die deutsche Mannschaft ließ sich von der aufkommenden Hektik aber nicht anstecken und profitierte zudem von einigen Pfostentreffern des Kontrahenten. Einen möglichen Ausgleich verhinderte Wolff sechs Minuten vor dem Schlusspfiff.














