Liga-Endspurt startet am Mittwoch mit Heimspiel gegen Hannover
Fünf Partien stehen noch auf dem Plan, den Anfang macht am Mittwoch das Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf. Die Partie wird um 20.15 Uhr in der Sparkassen-Arena angepfiffen, Sport1 überträgt live.
In der vergangenen Spielzeit klappte bei der TSV Hannover-Burgdorf beinahe alles: Punkterekord, sechster Tabellenplatz sowie die erstmalige Qualifikation für den Europapokal sorgten an der Leine für ein Jahr der Superlative, das zuletzt mit der erneuten Wahl zu "Hannovers Mannschaft des Jahres" - wieder vor den Fußballern von "96" - gekrönt wurde. Doch Jahr eins nach dem Höhenflug ist ein schwieriges: Vor allem die Verletztensituation bremste den rasanten Aufstieg der selbst ernannten "Recken" aus der niedersächsischen Landeshauptstadt aus.
Als die "Recken" Ende Januar im ehrwürdigen "Theater am Aegi" während der Sportgala der Tageszeitung "Neue Presse" auf die Bühne gerufen wurden, war das nicht nur aufgrund der Titelverteidigung bei der "Wahl zur Mannschaft des Jahres" in der niedersächsischen Landeshauptstadt bemerkenswert. Denn erneut hatten die Handballer der TSV Hannover-Burgdorf die zuvor omnipräsenten Fußballer von "96" auf die Plätze verwiesen. Aber die erneute Wahl zur "Mannschaft des Jahres" war mehr: Sie zeigt, dass die Mannschaft von Christopher Nordmeyer endgültig angekommen ist in Hannover. "Es hat sich viel verändert", sagt Kapitän Lars Lehnhoff. Er hat den Bundesligaaufstieg 2009 mitgefeiert, den Umzug vom 30.000-Einwohner-Dorf Burgdorf in die Landeshauptstadt mitgemacht und ist als Haupttorschütze der "Recken" auch maßgeblich an den Erfolgen der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart beteiligt. In Hannover wächst etwas Großes im Handball heran. Das gewachsene Interesse an den Handballern zeigte sich auch im Dezember, als die Turn- und Sportvereinigung (TSV) Hannover-Burgdorf von der "Swiss Life"-Hall in Stadionnähe umzog in die große "TUI-Arena" auf dem ehemaligen Expo-Gelände: 9.800 Fans feierten einen 30:29-Erfolg über Göppingen, sorgten für ein ausverkauftes Haus, für einen neuen Zuschauerrekord und damit den passenden Abschluss eines Jahres der Superlativen.
Denn 2013 gelang der Mannschaft von Trainer Christopher Nordmeyer fast alles. Mit konstanten Leistungen über die ganze Saison schaffte die TSV Hannover-Burgdorf nach zwei 14. und einem 13. Platz in ihrer vierten Erstliga-Spielzeit den Sprung vom Wackelkandidaten zu einem Europapokal-Teilnehmer. Die Rekorde purzelten nur so - und am Ende wurde in Hannover sogar eine Premiere gefeiert: Erstmals schafften die "Recken" die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb - und das mit einem Etat von gerade einmal 2,3 Millionen Euro.
Groß war dann im November der Jubel, als sich die Hannoveraner durch einen Play-off-Erfolg gegen die Kadetten Schaffhausen für dieGruppenphase des EHF-Pokals qualifizierten. "Das ist für alle ein Traum, Europa hätten wir uns nie vorstellen können", sagte Nordmeyer. Denn mit dem Erreichen der Gruppenphase hatte der Trainer, der als Sechsjähriger bei der TSV das Handballspielen begonnen hatte, die "Recken" direkt ins Rampenlicht der sportbegeisterten niedersächsischen Landeshauptstadt geführt. Der "Traum von Europa" war zuvor nur mit den Fußballern von "96" in Verbindung gebracht worden. Nach der verpassten Qualifikation der Fußballer waren urplötzlich die "Recken" die Mannschaft, die für europäisches Flair in Hannover sorgte. Allerdings: In der Gruppenphase musste die Mannschaft eine Menge Lehrgeld bezahlen. Mit nur fünf Punkten aus sechs Spielen war nach der Gruppenphase Schluss. Tabellenletzter - das Aus für den Traum vom EHF-Pokal-Finalturnier in Berlin. "Der Favoritenrolle sind wir nicht gerecht geworden", sagte Nordmeyer nach dem Ende der "TSV-Europa-Tour", "insgesamt haben wir von dem Europa-Auftritt profitiert und Erfahrung gesammelt."
Das Aus im Europapokal war allerdings auch der Gesamtsituation geschuldet, denn in der Saison eins nach dem "Jahr der Superlative" verlief bei den "Recken" nicht alles nach Plan. Eine schier unglaubliche Verletzungsserie suchte die TSV heim - die Doppelbelastung mit DKB Handball-Bundesliga und EHF-Pokal tat ihr Übriges: "Aufgrund der schwierigen Personal-Situation sind auch unsere Kräfte nicht unendlich", analysierte Nordmeyer die ungewohnte Situation, die bei der Auswärtspartie in Lemgo ihren vorläufigen "Höhepunkt" fand: Mit nur acht Feldspielern reiste die TSV am 28. Spieltag nach Ostwestfalen. Darunter die beiden A-Jugendlichen Cedric Post und Till Hermann sowie deren Trainer Heidmar Felixson: Angesichts der Personalnot der Niedersachsen kehrte der 37-jährige isländische Publikumsliebling, der 2010 sein letztes Spiel bei den Profis bestritten hatte und inzwischen als Jugendkoordinator und Trainer der A-Jugend bei den Hannoveranern arbeitet, gemeinsam mit zwei seiner Schützlinge zurück auf die Bundesliga-Platte. "Als meine beiden Jungs aus der A-Jugend eingewechselt wurden, hatte ich richtige Gänsehaut", bekannte Felixson nach seinem eigenen Comeback. "Natürlich war das etwas Besonderes für mich."
Aber: Die Vielzahl an Verletzungen hat die TSV Hannover-Burgdorf auf dem Weg nach oben gehörig ausgebremst. "Wir sind im letzten Jahr weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben. In dieser Spielzeit erleben wir das krasse Gegenbeispiel", sagt auch Torge Johannsen. "Bei so vielen Ausfällen über einen längeren Zeitraum leidet nicht nur die Trainingsqualität, sondern es fehlen auch die notwendigen Automatismen." Trotzdem: Hannover rutschte nicht ins Bodenlose ab, feierte mit dem 27:26-Sieg gegen Flensburg Mitte Februar sogar wieder einen Erfolg gegen eine der Top-Mannschaften der Liga. Weil diesem Sieg aber vier Niederlagen folgten und die TSV erst mit einem Last-Minute-Sieg gegen Emsdetten wieder in die Spur zurückkehrte, ist in diesem Jahr ein Europapokalplatz nur noch Utopie.
Deshalb hat man bei den Leinestädtern längst die Planungen für die kommenden Jahre vorangetrieben. Die wohl wichtigste Entscheidung: Geschäftsführer Benjamin Chatton wird der TSV bis mindestens 2018 die Treue halten. "Er ist ein Glücksfall für uns. Er hat den Handball in unserer Region nachhaltig vorangebracht", freute sich Sponsorenvertreter Bernd Gessert über die Vertragsverlängerung des Geschäftsführers. Chatton sieht seine Hauptaufgabe der nächsten Jahre darin, die "Entwicklung weiterhin belebend zu gestalteten, so dass die TSV Hannover-Burgdorf dauerhaft zu einer festen Größe in der stärksten Liga der Welt wird". Deshalb gehen die Planungen der Niedersachsen bereits jetzt weit über die aktuelle Saison hinaus.
Am Kreis werden weiterhin Joakim Hykkerud und Juan Andreu für Unruhe in den gegnerischen Abwehrreihen sorgen, während Jan-Fiete Buschmann und Gustav Rydergaard, beide seit 2009 bei den "Recken", den Verein wohl verlassen werden. Verlängert wurde hingegen der Vertrag mit Rückraumspieler Runar Karason, der im November vergangenen Jahres von den Rhein-Neckar Löwen nach Hannover wechselte, den Leinestädtern aber aufgrund eines Kreuzbandrisses im rechten Knie erst in der kommenden Saison wieder zur Verfügung stehen wird. Im rechten Rückraum hat die TSV mit Nationalspieler Kai Häfner von der HBW Balingen-Weilstetten für die Zukunft einen großen Fang gemacht - damit es vielleicht mal wieder für den Europapokalplatz reicht.
Flensburg, die Füchse und die Rhein-Neckar Löwen konnte die TSV bereits in ihren bald fünf Bundesligajahren besiegen - gegen den THW Kiel indes stehen aus bislang zehn Spielen zehn Niederlagen zu Buche. Während die Niedersachsen den deutschen Rekordmeister in eigener Halle schon das eine oder andere Mal ärgern konnten, bezahlten sie in der Sparkassen-Arena bislang Lehrgeld - die knappste Niederlage gab es letzte Saison, als die "Zebras" mit39:29 gewannen.
Quelle: THW Kiel












