06.02.2024  HBL

ÜberZahl – Die Zahlenkolumne: Drei Schlüsselpunkte für das Spitzenspiel zwischen Kiel und Magdeburg

Am Mittwoch kommt es direkt zum Rückrundenstart zum Spitzenspiel zwischen dem THW Kiel und dem SC Magdeburg. Datenanalyst Julian Rux blickt deshalb in der neuen Ausgabe von „ÜberZahl“ auf drei Schlüsselpunkte, die das Aufeinandertreffen der letzten beiden Meister entscheiden könnten.

Zum 65. Mal treffen der THW Kiel und der SC Magdeburg aufeinander. Insgesamt konnten die Norddeutschen 37 der bisherigen Aufeinandertreffen gewinnen, während der SCM auf 20 Siege kommt und es 7 Unentschieden gab. Pro Spiel konnten die Zebras also rund 1,3 Punkte holen. 

Deutlich höher ist ihre Punktequote allerdings bei Heimspielen. Dort konnten sie von 31 Spielen 25 gewinnen, während es drei Unentschieden und drei Siege für den SCM gab. Damit kommen die Kieler auf 1,7 Punkte pro Spiel. Doch trotzdem wartet das Team von Filip Jícha seit über sechs Jahren auf einen Heimsieg gegen die Magdeburger. 

Die folgenden drei Punkte könnten entscheiden, ob entweder der THW oder der SCM seine Serie in der Wunderino-Arena fortsetzen kann. 

1. Torhüter

Torhüter sind bekanntlich mit die wichtigste Position im Handball. In der vergangenen und aktuellen Saison der LIQUI MOLY HBL konnten nur 13,9 % aller Spiele vom Team mit der geringeren Paradenquote gewonnen werden. Je größer die Differenz bei der Paradenquote ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass die Mannschaft mit der höheren Paradenquote gewinnt. Ist die Differenz beispielsweise bei mehr als fünf Prozentpunkten sind es nur noch 9,2 %, bei mehr als 15 Prozentpunkten nur noch 2,2 %. 

Auch im Hinspiel war dies der Sieggarant für den SCM. Mit 31,1 % parierten Bällen hatten sie gegenüber 22,7 % beim THW einen deutlichen Vorteil. 

Nachdem der SC Magdeburg in den vergangenen Jahren immer herausragend im Angriff war, hatten sie selbst in der Meistersaison 2022/23 defensiv immer wieder Probleme. Dazu gehörten auch keine konstant guten Torhüterleistungen. In dieser Saison ist dies anders. Mit 31,5 % gehaltenen Bällen haben Nikola Portner und Sergey Hernández die drittbeste Paradenquote der Liga. Der THW liegt hingegen mit 30,1 % gehaltenen Bällen von Tomáš Mrkva, Samir Bellahcene und Magnus Bierfreund auf Rang fünf.  

Portner liegt mit 30,2 % gehaltenen Bällen auf dem zehnten Rang, Neuzugang Hernández mit 33,1 % sogar auf Rang zwei. Das Duo des THW mit 30,5 % von Mrkva und 32,1 % von Bellahcene auf Rang acht und fünf. Das einzige andere Team, bei dem ebenfalls das gesamte Torhüter-Gespann in den Top 10 ist, sind die der Torhüter der Rhein-Neckar Löwen. 

Besonders Bellahcene dürfte mit breiter Brust ins Spiel gehen, nachdem er mit Frankreich nicht nur Europameister wurde, sondern sich bei den Franzosen während des Turniers vom dritten zum ersten Torhüter hochgearbeitet hat. 

2. Wurfpositionen

Wie mittlerweile schon üblich ist die Wurfquote des SCM herausragend gut. 2021/22 hatten die Magdeburger die beste Wurfquote aller Zeiten mit 69,6 %. In der vergangenen Saison war es mit 69,0 % der zweitbeste Wert aller Zeiten. Aktuell sind sie mit 70,0 % sogar auf dem Weg ihren eigenen Rekord zu übertreffen. 

Der Grund hierfür ist, dass sie es durch ihren auf Isolationen fokussierten Spielstil schaffen viele Abschlüsse aus nahen Wurfpositionen zu generieren. Mit Würfen aus durchschnittlich 6,8 Metern (ohne 7m, direkte Freiwürfe, Gegenstöße und Würfe auf das leere Tor) werfen sie aus so kurzer Distanz wie kein anderes Team. 

Der Winkel zur nächstgelegenen Grundlinie ist hingegen mit durchschnittlich 61,0° nur der elftgrößte, was für Abschlüsse aus so kurzer Distanz jedoch noch recht zentral ist. Ein weiterer positiver Nebeneffekt dieses Spielstils ist, dass sie auch die meisten Siebenmeter zugesprochen bekommen (4,8 pro 50 Ballbesitze). 

Der THW Kiel ist hingegen das beinahe komplette Gegenteil. Ihre Wurfdistanz ist mit 7,5 m die drittgrößte der Liga, während der Winkel mit durchschnittlichen 62,4° nur leicht größer ist. Doch obwohl sie also aus den schlechteren Wurfpositionen abschließen und dazu mit 2,3 die drittwenigsten Siebenmeter pro 50 Ballbesitze erhalten, haben die Zebras mit 65,7 % immer noch die fünftbeste Wurfquote der Liga. Hier zeigt sich die herausragende Qualität von Spielern wie Nikola Bilyk oder Eric Johansson, die auch aus der Distanz deutlich überdurchschnittlich gut werfen können. 

Im Hinspiel war die Wurfdistanz der Hauptfaktor für den Sieg des Teams von Bennet Wiegert. Mit 6,6 m war sie sogar unterdurchschnittlich gering, während der THW mit 7,5 m auf seinem Saisondurchschnitt lag. Die Winkel waren hingegen mit 58,2° bzw. 58,0° beinahe identisch. Der SCM hatte also praktisch die gleichen Wurfpositionen, nur aus fast einem Meter näher am Tor. Da wundert es kaum, dass die Wurfquote beinahe 15 Prozentpunkte besser war. 

Es wird hier also darauf ankommen, wer es selbst häufiger schafft aus den eigenen „Sweet Spots“ abzuschließen und gleichzeitig den Gegner in ungünstige Wurfpositionen zu zwingen. 

3. Ballverluste

Während die Wurfquote beim SCM auch in den letzten Jahren herausragend war, war sie dies bei den Ballverlusten nicht immer. In der vergangenen Saison war der THW hier noch besser als der SCM und konnte so die schwächere Wurfquote zumindest teilweise ausgleichen. 

Nun hat sich jedoch das Blatt gewendet. Mit 7,4 pro 50 Ballbesitzen haben die Magdeburger auch die wenigsten Ballverluste der Liga, während der THW mit 7,8 auf Rang vier liegt. Hinter dem HC Erlangen (11,1) sind die beiden auch die Teams mit den meisten gegnerischen Ballverlusten pro 50 Ballbesitze (THW: 11,0, SCM: 10,2) 

Im Hinspiel hatte der THW hier einen Vorteil und leistete sich drei Ballverluste weniger. Den deutlichen Unterschied bei der Wurfquote konnten sie allerdings nicht komplett ausgleichen. Sollte dies den Zebras am Mittwoch allerdings gelingen, stehen die Chancen nicht schlecht, den ersten Heimsieg seit 2017 gegen den SCM einzufahren. Bei einer erneuten Niederlage wären es allerdings bereits acht Punkte Abstand auf den Tabellenführer und die Titelverteidigung wohl endgültig außer Reichweite. 

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Foto: Klahn