60 Jahre HBL
60 Jahre HBL: Die SG Wallau-Massenheim und das finnische Denkmal Mikael Källman

Die SG Wallau-Massenheim feiert die Deutsche Meisterschaft 1992, Foto: Imago/Simon
Kein Exot prägte ein Meisterteam so sehr wie Mikael Källman. Die beiden Titel der SG Wallau-Massenheim 1992 und 1993 sind eng mit der Karriere des finnischen Rückraumstars verbunden.
Mutig war der Manager. Hohn und Spott hätte sich wohl über Bodo Ströhmann ergossen, wenn der Macher der SG Wallau-Massenheim 1987 mit der Verpflichtung von Mikael Källman keinen Volltreffer gelandet hätte. Was wollte der Aufsteiger, fragte sich die Fachwelt, mit dem Rückraumspieler aus dem hohen Norden? „Ich kam als total Unbekannter“, erinnert sich Källman. „Die wurden als total bekloppt bezeichnet, weil die einen Finnen holten.“
Der damals 23-jährige Rechtshänder kam aus Karis, einer Diaspora des Handballs. In der Küstenstadt, 70 Kilometer westlich von Helsinki gelegen, war Källman erst im Alter von zwölf Jahren dem Handball begegnet. „Was ist das?“, fragte er, als er die Sportart erstmals sah. Die Antwort: „Das ist Leichtathletik mit Ball!“ Fortan war, sagt Källman, Handball seine Leidenschaft.
Källman gehört der schwedischen Minderheit Finnlands an. Und ein Schwede, der schwedische Weltmeister Björn Jilsen, empfahl ihn schließlich auch Wallau, nachdem er ihn bei einigen Turnieren beobachtet hatte. Vor seinem Wechsel war Källman bei der B-WM Torschützenkönig geworden – und hatte neben vier Offerten aus der spanischen Liga auch ein Angebot des Zweitligisten Bayer Leverkusen vorliegen.
Es war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, dass Källman dann in der Bundesliga sofort einschlug. Denn der Finne wurde zunächst auf Halbrechts eingesetzt. Dennoch spielte er sofort groß auf – und proklamierte schon im November 1987 große Ziele: „Ich träume davon, mit Wallau Meister zu werden in einer größeren Halle.“

Källmann mit der Meisterschale bei der Meisterfeier 1993, Foto: Horstmüller
Bis dato hatten vor allem Jugoslawen die wenigen Plätze für ausländische Profis beansprucht, darunter Stars wie Djordje Lavrnic oder Predrag Timko. Der erste Ausländer, der Deutscher
Meister wurde, war der Österreicher Christian Patzer 1970 mit FRISCH AUF! Göppingen. Ihm folgten 1977 die Isländer Axel Axelsson und Olafur Jonsson mit GW Dankersen.
Nach Källman prägte die Ära der Schweden die Bundesligageschichte, als Magnus Wislander, Stefan Lövgren und Marcus Ahlm den THW Kiel zum Rekordmeister emporhoben. Bei der SG Flensburg-Handewitt tummelten sich nach dem Bosman-Urteil 1996, das den Markt öffnete, viele Dänen. Heutzutage finden sogar Profis von den fernen Färöer-Inseln, etwa Elias Ellefsen á Skipagotu (Kiel), wie selbstverständlich den Weg in die beste Liga der Welt.
So forsch wie Källman waren bis 1987 indes nur die wenigsten Exoten in der Bundesliga aufgetreten. Der Tunesier Mohammed Klai, der als erster Afrikaner in der Liga in Steinheim und in Rheinhausen unter Vertrag stand, war bereits in Vergessenheit geraten. Aber der Rechtshänder personifizierte dann tatsächlich wie kein anderer Profi den Aufstieg der SG Wallau-Massenheim in die nationale und internationale Spitze.
Bereits in der Saison 1989/90 wurde er zum besten Ausländer der Bundesliga gewählt. Zwei Jahre später folgte gar die Wahl zum „Handballer des Jahres“. Dabei hatte der vielseitige Källman in dieser Serie 1991/92 zunächst als Vorlagengeber für Martin Schwalb geglänzt. Als sich der Linkshänder Schwalb aber verletzte, überragte Källman in den Playoffs auch als Torschütze, so warf er elf Tore im ersten Halbfinalspiel gegen den THW Kiel und neun Treffer beim Finalhinspiel in Leutershausen.
Bei der zweiten Wallauer Meisterschaft 1993 und den Pokalsiegen 1993 und 1994 war Källman ebenfalls die prägende Figur, inzwischen spielte er die gegnerischen Abwehrreihen auf Halblinks und auf Rückraum Mitte mit seiner famosen Spielübersicht und robusten Zweikampfstärke schwindelig. Källman spiele „wie von einem anderen Stern“, lobte Bundestrainer Horst Bredemeier, der den „fliegenden Finnen“ (Handball-Magazin) gern eingebürgert hätte.
Es hatte jedenfalls seinen Grund, dass Wallaus Manager Bodo Ströhmann den Finnen, der 1998 bis 2000 beim TuSEM ein Comeback feierte, 1992 am liebsten in Stein gehauen hätte: „Wir sollten ihm ein Denkmal errichten.“













