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Keine Überraschung im kleinen Nordderby: THW Kiel holt wichtigen Auswärtssieg
Handball Sport Verein Hamburg vs. THW Kiel - Game Highlights
Foto: Huter
Der THW Kiel hat mit der unglaublichen Unterstützung von über 2.000 Auswärtsfans den nächsten Erfolg eingefahren. Beim 34:27 (19:14) in Hamburg konnten sich die Zebras bereits zur Pause mit fünf Treffern absetzen und am Ende einen ungefährdeten Sieg einfahren. Neben Eric Johansson (8 Tore) überzeugte besonders Gonzalo Perez de Vargas mit 12 Paraden.
"Dule" Duvnjak strahlte nach dem Triumph in seinem ehemaligen Wohnzimmer Barclays Arena, war mit großartiger Einstellung selbst vorangegangen. "Körpersprache, Einstellung, heute hat fast alles gestimmt", sagte der Kieler Kapitän. "Manchmal bin ich sprachlos. So wie nach unserer schlechten Vorstellung gegen Eisenach. Das durfte nicht passieren, es tut mir vor allem leid für unsere Fans. Aber heute hat alles geklappt. Ich bin froh über meine Leistung, vor allem aber glücklich über die Vorstellung der gesamten Mannschaft." Haupttorschütze Eric Johansson war ebenfalls erleichtert. "Wir haben unseren Fans zuletzt nicht gezeigt, wie und was wir spielen können. Heute haben wir viel besser agiert, gezeigt, dass wir es viel besser beherrschen."
Bester Torschütze bei den Hamburgern war Neuzugang Nicolaj Jörgensen. Der Däne traf neunmal ins Kieler Tor. Ein starker Rückhalt war zudem Torhüter Robin Haug, der insgesamt 14 Bälle anhielt, den verdienten Kieler Sieg aber ebenfalls nicht verhindern konnte. Die Hamburger spielten nur in den ersten 15 Minuten auf Augenhöhe, liefen den Zebras in der Folge aber ohne Siegchance hinterher. HSV-Trainer Torsten Jansen stellte in der zweiten Halbzeit im Angriff um, ließ zumeist mit vier Rückraumspielern und ohne Kreisläufer agieren. Doch "Dule" und Co. fanden auf jede gegnerische taktische Maßnahme die passenden Antworten. Dabei mussten die Zebras in Hamburg auf Emil Madsen (Knorpelschaden) und Veron Nacinovic (Nasenbruch) verzichten, hinzu kam erneut Spielmacher Elias Ellefsen á Skipagötu. Nachdem sich der Färinger gegen Melsungen und Eisenach mit vielversprechenden Leistungen zurückgemeldet hatte, zwangen ihn seine Schulterprobleme erneut zu einer Pause, die möglicherweise länger andauern könnte.
Viel war nach dem enttäuschenden Heim-Remis gegen Eisenach bei den Zebras gesprochen worden. Jetzt zeigte die Körpersprache der Zebras von Beginn an, dass die Mannen um Kapitän Domagoj Duvnjak den Worten auch Taten folgen lassen wollten. Dabei schritt der Kieler Kapitän in vorbildlicher Weise voran, übernahm die Spielmacherposition und Verantwortung im Abschluss, war mit Aktionen und Gesten auch Boss in der Abwehr. Dabei erwischten die Gastgeber den besseren Start, lagen nach drei Minuten durch die Treffer von Lassen und Sauter mit 2:0 vorn. Nachdem Eric Johansson und Lukas Laube nur den Hamburger Torrahmen trafen, war der entschlossene Duvnjak mit einem Durchbruch auch erster THW-Schütze. Jörgensen erhöhte zwar auf 3:1, traf nach der ersten Zeitstrafe gegen Lukas Laube ins leere Kieler Tor. Aber die Kieler, die von Beginn an mit Gonzalo Perez de Vargas zwischen den Pfosten spielten, blieben bei sich, ließen sich nicht aus dem Konzept bringen und antworteten mit dem 3:0-Lauf durch die Tore von Lukas Zerbe (Strafwurf), Johanssons Kracher in den Torwinkel und "Dules" Solo zur ersten Kieler Führung zum 4:3 in der achten Minute.
In der Folge legten die Zebras vor, der HSV konterte. Als Lukas Laube beim Stande von 4:4 schon nach acht Minuten seine zweite Zeitstrafe kassierte, musste THW-Trainer Filip Jicha handeln: Er stellte Petter Överby im Abwehr-Mittelblock neben Hendrik Pekeler. Einmal noch legten die Hamburger vor: Andersen verwandelte einen Siebenmeter in der 13. Minute zur 8:7-Führung. Dann brachte sich Gonzalo Perez de Vargas hinter der starken THW-Deckung mehr und mehr ins Spiel, parierte gegen Weller, gegen Lassen oder Sauter. Und als Duvnjak in der 19. Minute den zweiten Kieler 3:0-Lauf mit einem Wurf ins leere Hamburger Tor zum 12:9 abschloss, drückte HSV-Trainer Torsten Jansen auf den Buzzer und forderte entschlosseneres Eingreifen seiner Abwehr.
Die Kieler, allen voran Duvnjak, blieben indes ihrer Linie treu, standen gut in der Abwehr, spielten vorne ihre Angriffe mit dem Rückraum Johansson, Duvnjak und Reinkind entschlossen zu Ende. Die Folge war ein weiterer 3:0-Lauf zum 18:13 nach 26 Minuten. Mit einem überragenden Treffer von Lukas Zerbe übrigens, der den gegen den mit sieben Feldspielern angreifenden HSVH einen weiten Pass von Rune Dahmke erwischte und im Fallen ins verwaiste Hamburger Tor drückte. Wenig später krümmte sich Kiels Rechtsaußen mit Schmerzen am Boden, war beim Zurückeilen von Sauter gestoßen worden. Nach dem Videobeweis beließ es das Schiedsrichtergespann bei einer Zeitstrafe für Sauter. Mit 19:14 wurden die Seiten gewechselt, ein Spielstand, der den Leistungsunterschied korrekt widerspiegelte.
Die Rote Karte zückten Fabian Friedel und Rick Hermann dann aber nach sechs Minuten in der zweiten Halbzeit. Ausgerechnet gegen Zerbe, der im Kampf um den Ball und in der Rückwärtsbewegung leichten Kontakt mit Frederik Bo Andersen hatte. Zerbe, zum ersten Mal in seiner Karriere vorzeitig mit einer roten Karte vom Platz gestellt, nahm seinen Platz im THW-Fan-Block ein und sah, dass Andersen mit dem folgenden Strafwurf an Andreas Wolff scheiterte. Auf Rechtsaußen fügte sich Bence Imre nahtlos ein, die Kieler ließen sich auch nicht vom vierten Rückraumspieler der Hamburger im Angriff irritieren. Einzig Robin Haug im Tor der Gastgeber stemmte sich mit starken Paraden gegen die drohende Niederlage. Aber auf der anderen Seite nagelte Gonzalo Perez de Vargas nicht nur den Kieler Kasten zu und glänzte mit mehreren Eins-gegen-Eins-Situationen, der Spanier traf auch selbst ins leere HSV-Tor. Zudem unterband er einen Gegenstoß durch aufmerksames Herauslaufen. Weil Eric Johansson per Nachwurf zur Stelle war, Bence Imre eiskalt von der Strafwurf-Linie traf und "Dule" seinen sechsten Treffer im HSV-Tor unterbrachte, waren die Zebras in der 48. Minute auf 27:21 enteilt. Nikola Bilyk wischte in 70 Sekunden mit drei Toren in drei Angriffen alle Zweifel am Kieler Sieg vom Tisch. Bilyks Dreier-Pack zum 31:23 in der 53. Minute ließ die "weiße Wand" in Hamburg jubeln. Mit einem überragenden Dreher in den Schlusssekunden sorgte Hendrik Pekeler für den 34:27-Endstand und zufriedene Zebras.













