HBL
THW Kiel entscheidet umkämpftes Spiel in Göppingen spät für sich
FRISCH AUF! Göppingen vs. THW Kiel - Game Highlights
Foto: Wolf
Am 22. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga gewinnt der THW Kiel mit 28:24 bei Frisch Auf! Göppingen. Eine offensive Abwehrumstellung in der Schlussphase bringt die Entscheidung zugunsten der Zebras.
In der gefürchteten "Hölle Süd" der EWS-Arena von Göppingen lagen die Kieler nach durchwachsener erster Halbzeit mit zwei Toren in Front. Die Gastgeber stellten eine massive Abwehr, kämpften sich damit wieder heran, gingen in der 45. Minute selbst in Führung. So brachten sie wieder Leben in die Arena. Die Kieler Abwehrumstellung auf eine offensive 3:2:1-Formation mit Domagoj Duvnjak an der Spitze war dann der Matchwinner, hinzu kam ein effektives Sieben-gegen-Sechs gegen den massiven Göppinger Abwehrverband und die Hereinnahme von Ramus Ankermann: Der 18-Jährige setzte vorn Impulse und half hinten, den berühmten Kieler Beton anzurühren. "Wir wussten vorher, dass es hier nicht leicht werden würde", sagte THW-Linksaußen Magnus Landin, der ein starkes Spiel ablieferte und vier Tore erzielte. "Wir hätten in der ersten Halbzeit unsere Chancen besser nutzen müssen, klarer führen sollen. So wurde es noch einmal eng. Aber es war ein verdienter Sieg, der wichtig für die Qualifikation für die Champions League ist. Wir haben es weiter selbst in der Hand, dieses Ziel zu erreichen."
Die Kieler reisten "ohne drei" an. Emil Madsen fällt mit einem Knorpelschaden bis zum Saisonende aus, außerdem fehlte Jesse Dahmke nach einem starken Pferdekuss. Und: Auch Elias Ellefsen á Skipagötu blieb zu Hause, wird seinem Team auch bei Bidasoa Irun wegen seiner Beschwerden in der Wurfschulter fehlen. THW-Trainer Filip Jicha setzte daher zunächst auf die Rückraumachse Eric Johansson, Nikola Bilyk (Mitte) und Harald Reinkind, zwischen den Kieler Pfosten stand Andreas Wolff, der zuletzt den Flensburger Angreifern den Zahn gezogen hatte. Und der Kieler Schlussmann knüpfte in Göppingen an seine starken Leistungen an, brachte schon nach vier Minuten drei Paraden auf sein Konto: Er hielt gegen Schiller, Goßner und Klöve. Auf der anderen Seite war vor allem Magnus Landin hellwach, warf den THW routiniert mit 2:0 nach vorn, Reinkind machte den gelungenen Zebras-Start mit seinem Treffer zum 3:0 perfekt. Domagoj Duvnjak leistete mit genialem Pass die Vorarbeit.
Und die Gastgeber? Taten sich schwer aus dem Positionsspiel heraus ein Tor zu werfen, erzielten ihre ersten beiden Treffer durch Schiller per Siebenmeter. Zwölf Minuten waren gespielt. Nach ordentlichem Start mischte sich aber auch Sand ins Kieler Angriffsspiel. Filip Jicha setzte auf eine Sieben-gegen-Sechs-Variante, Chancen wurden auch herausgespielt, aber nicht in Tore umgemünzt. Lukas Zerbe warf einen Strafwurf übers Göppinger Tor, Reinkind produzierte technische Fehler, setzte einen Kempa-Pass von Johansson an die Torlatte. So dauerte es bis zur 13. Minute bis zum nächsten THW-Erfolg: Nach Bilyk-Anspiel erzielte Pekeler das 4:2, wenig später war Zerbe zur Stelle, verwertete das Anspiel von "Dule" zum 5:2. Beim Sieben-gegen-Sechs agierten die Zebras mit Lukas Laube und Pekeler am Kreis. Und neben Landin, der bis zur Pause alle seine vier Tore erzielte, war es vor allem Pekeler, der seine Torgefahr am Kreis demonstrierte, seinen vierten Treffer in der 28. Minute im FAG-Tor unterbrachte.
Der Kieler Rückraum tat sich weiterhin schwer gegen die massive Göppinger Deckung, allerdings glänzte Johansson als genialer Vorbereiter, verbuchte bis zum Seitenwechsel vier Assists. Gut, dass die Kieler Abwehr gewohnt sicher stand, auf schnellen Beinen die Räume engmachte, außerdem mit Andreas Wolff einen guten letzten Mann im Tor hatte. "Wir haben Göppingen im Spiel gelassen, weil wir viele gute Chancen ausgelassen haben", analysierte Lukas Zerbe das Spiel seines Teams, das ein 12:10 mit in die Pause nahm. "Wir müssen gut in die zweite Halbzeit starten, um auch die Halle wieder ruhig zu stellen."
Das gelang nur bis zur 40. Minute: Die Zebras leisteten sich technische Fehler, kassierten nach einem Fehlpass zudem einen Gegentreffer durch Ex-Zebra Oskar Sunnefeldt ins leere Tor, und als Reinkind völlig freistehend nur das FAG-Holz erzittern ließ, markierte Persson in der 41. Minute das 16:16. Bilyk antwortete in Zeitnot mit seinem ersten Treffer zwar zur erneuten THW-Führung, doch per Doppelschlag gingen die Gastgeber erstmals in Führung: Jurmala und Neudeck hatten Andreas Wolff überwunden - 18:17 in der 45. Minute. Die Partie wogte jetzt hin und her. Filip Jicha reagierte, stellte Gonzalo Perez de Vargas zwischen die Pfosten, schickte Youngster Rasmus Ankermann aufs Feld, tauschte wenig später auch Bence Imre gegen Lukas Zerbe auf Rechtsaußen. Und ordnete die offensive 3:2:1-Deckung an.
Umstellungen, die Wirkung zeigten. Ein Schachzug, der Wirkung zeigte. Der quirlige "Rassi" holte sofort einen Strafwurf heraus, brachte Tempo ins Kieler Angriffsspiel, traf nach sehenswertem Solo zum 18:18. Und mit der 3:2:1-Deckung rührten die Kieler hinten Beton an. Großartig, wie Domagoj Duvnjak störte, Bälle abfing und mit einem Solo in der 51. Minute zur Schlussoffensive der Kieler blies. 22:21, 51. Minute. "Ich will jetzt super Emotionen sehen!", forderte Filip Jicha in seiner letzten Auszeit. Die Worte des Trainers fanden Gehör. Ankermann tankte sich durch, Bence Imre netzte einen Ballklau ein, war später per Siebenmeter erfolgreich und vollendete mit einem weiteren cool verwandelten Strafwurf den Kieler 5:0-Lauf zum 25:21 in der 57. Minute. Es war die Entscheidung. Reinkind und Bilyk setzten die Schlusspunkte hinter ein Spiel, das sie letztlich doch mit Belohnung für ein hartes Stück Arbeit beendeten. Zwei wichtige Punkte wanderten für die Weiterreise nach Irun ins Handgepäck.













