HBL
Topspiel, Träume und Transfers: VfL-Trainer Gudjon Valur Sigurdsson vor seiner Rückkehr nach Kiel

Foto: Heilwagen
Gudjon Valur Sigurdsson kehrt zum Topspiel des kommenden Wochenendes mit dem VfL Gummersbach an seine alte Wirkungsstätte in Kiel zurück. Vor dem Duell der Traditionsvereine am Samstag (20 Uhr, live bei Dyn) spricht der Isländer auch über die Transfers der Gummersbacher und den Weg, den der VfL bestreiten und fortsetzen will.
Das Topduell des 23. Spieltags in der DAIKIN Handball-Bundesliga geht am Samstagabend (20:00 Uhr, live bei Dyn) in der Wunderino-Arena über die Bühne, wenn zwei in 2026 noch verlustpunktfreie Mannschaften aufeinandertreffen: der THW Kiel hat fünf Siege in fünf Spielen (HBL und European League) eingefahren, unter anderem Magdeburg die erste Saisonniederlage beigebracht, der VfL Gummersbach steht bei zwei Erfolgen in zwei Partien, darunter einem Kantersieg gegen Flensburg. Eine Serie wird also reißen, wenn der Tabellenvierte auf den Sechsten trifft.
Doch der VfL hat nicht nur auf dem Feld für Schlagzeilen gesorgt, sondern auch mit Transfers Aufsehen erregt, unter anderem wird Weltstar Alex Dujshebaev ab der kommenden Saison das VfL-Trikot tragen. Ein Gummersbacher Vize-Europameister wird derweil nächste Saison in Kiel spielen: Julian Köster. Und der VfL-Trainer Gudjon Valur Sigurdsson war von 2012 bis 2014 Spieler beim THW.
Der Isländer freut sich definitiv auf das Topduell und die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte – auch wenn die Aufgabe alles andere als einfach wird: „Die Kieler haben wahrlich einen tollen Lauf in diesem Jahr, mit Siegen gegen die Löwen, Magdeburg, Flensburg und in Irun. Das liegt vor allem an der sehr starken Abwehr und zwei Weltklasse-Torhütern. Ich reise immer gerne nach Kiel, das sind immer tolle Spiele – und dieses Mal sogar ein echtes Spitzenspiel. Wir gehen gut vorbereitet in die Partie, wollen uns nicht überraschen lassen.“
Der frühere Weltklasse-Linksaußen spielte nicht nur beim THW (von 2012 bis 2014), sondern hat zu einigen Spielern und Trainern eine besondere Beziehung: „Ich habe mit Filip Jicha und Christian Sprenger in Kiel zusammengespielt. Viktor Szilagyi war vier Jahre mein Mitspieler beim TuSEM Essen, ohne ihn hätte ich nie so schnell deutsch gelernt. Mit Hendrik Pekeler habe ich bei den Löwen gespielt – und mit Gonzalo Perez de Vargas habe ich mit Barcelona die Champions League gewonnen“, sagt Sigurdsson: „Auch wenn ich Kiel vor zwölf Jahren verlassen habe, kenne ich immer noch viele Leute dort. Die Handballwelt ist ja auch nicht so groß.“ Sigurdsson war zuletzt beim Abschiedsspiel von Patrick Wiencek in Kiel.

Damals jubelten Filip Jicha (2. v.l.) und Gudjon Valur Sigurdsson (re.) gemeinsam im THW-Trikot, Samstag Abend stehen sie sich in Kiel an der Seitenlinie gegenüber. Foto: Klahn
Im Gegensatz zum THW, der nach der EM-Pause bereits fünf Partien in DAIKIN HBL und European League absolviert hat, stand der VfL bislang erst zweimal auf dem Feld – und gewann beide Ligaspiele gegen Flensburg und Eisenach. „Daher konnten wir etwas mehr trainieren, der THW ist eher im Spielrhythmus“, sieht der VfL-Trainer Vor- und Nachteile. Das Wichtigste für Sigurdsson: „Alle Jungs kamen ohne Verletzungen von der Europameisterschaft zurück.“
Bei der EHF EURO 2026 stellte der VfL mit elf Spielern sogar mehr EM-Teilnehmer als der THW (10), darunter die vier DHB-Nationalspieler Julian Köster, Miro Schluroff, Tom Kiesler und Mathis Häseler. „Ich freue mich total für die vier, dass sie sich mit den EM-Nominierungen für ihre harte Arbeit und ihre tollen Leistungen in den letzten Monaten und Jahren belohnt haben und belohnt wurden. Es imponiert mir sehr, wie sie sich jeden Tag reinhängen im Training. Und daher bin ich froh, dass Bundestrainer Alfred Gislason ihnen die Chance gegeben hat. Wir wissen schon länger, dass das richtig talentierte Jungs sind – und wir freuen uns, dass sie für ihre harte Arbeit belohnt wurden und für ihr Nationalteam auflaufen. Und ich weiß auch, dass ihre Entwicklung noch nicht zu Ende ist.“
Dass die Entwicklung der Spieler und des VfL Begehrlichkeiten bei anderen, größeren Klubs weckt, ist Sigurdsson auch klar – Julian Köster wechselt kommende Saison nach Kiel, Torwart Dominik Kuzmanovic nach Magdeburg. „Das zeigt, dass wir einiges richtig machen in Gummersbach, vor allem natürlich unser Geschäftsführer Christoph Schindler, der die Spieler verpflichtet hat. Außerdem erhalte ich im Trainerteam unglaubliche Unterstützung von meinem Co-Trainer Gonçalo Miranda und meiner Athletiktrainerin Kim Kron. Ich bin froh, dass ich Jungs wie Julian und Dominik auf ihrer Reise begleiten durfte und wünsche ihnen, dass sie sich genauso weiterentwickeln. Ich finde es toll, dass sie das Luxusproblem haben, sich zwischen Topklubs zu entscheiden. Das ist auch eine Wertschätzung unserer Arbeit.“
Aber mittlerweile ist auch der VfL ein echter „big player“, wenn es um Transfers geht: Vor einer Woche gaben die Oberbergischen die Verpflichtung von Superstar Alex Dujshebaev bekannt. Der spanische Nationalspieler – Doppel-Europameister und Champions-League-Sieger – kommt vom polnischen Spitzenklub Industria Kielce. „Unser Konzept aus Spielkultur und Tradition hat ihn überzeugt. Vor ein paar Jahren wäre er nicht in die Bundesliga gewechselt, weil es doch sehr hart ist, in Deutschland zu spielen. Heute kommen Spieler wie Alex oder Dika Mem in die HBL, weil sie sich in der „stärksten Liga der Welt“ mit den Besten messen wollen. Die Liga zieht die Stars einfach an, jeder will hier spielen – das Blatt hat sich gewendet“, sagt Sigurdsson – und verweist auf die „unglaublich professionellen Gespräche“ mit Alex Dujshebaev: „Vor ein paar Jahren wäre es für Gummersbach höchstwahrscheinlich nicht möglich gewesen, einen solchen Spieler zu verpflichten. Da kamen wir gerade aus der zweiten Liga und haben nicht direkt europäisch gespielt. Der Name Dujshebaev steht für Weltklasse und wir halten viel von Alex. Wir haben ihm unsere Vision erläutert und aufgezeigt, welches Entwicklungspotenzial er bei uns hat. Es liegt jetzt an uns, die Voraussetzungen zu schaffen, dass wir auch weiterhin um solche Spieler mitbieten können.“
Auch die weiteren Neuzugänge sind klangvolle Namen: der Schwede Nikola Roganovic ist eines der größten Talente in ganz Europa. „Nikola wird sich erst noch an die Bundesliga gewöhnen müssen, an den Verein, an die Mitspieler und an unser Spiel, aber er bringt ein unglaubliches Talent mit.“ Als Kuzmanovic-Nachfolger wurde der spanische Nationaltorhüter Ignacio Biosca vom französischen Champions-League-Teilnehmer HBC Nantes verpflichtet.
„Wenn man überlegt, dass wir vor dreieinhalb Jahren erst aus der 2. Liga in die HBL zurückgekehrt sind, ist diese Entwicklung unglaublich – und sie hängt zu ganz großen Teilen an Christoph Schindler, auch was meine Person betrifft. Er hat mir die Chance gegeben, gab mir meinen ersten Trainerjob. Er lässt mir die Freiheit, hier alles sportlich umzusetzen. Dafür bin ich sehr dankbar. Er arbeitet Tag und Nacht für den VfL, er hat hier die Vorrausetzungen geschaffen für die Entwicklung.“
Aber wohin führt diese Entwicklung mittel- und langfristig? Muss der VfL angesichts des künftigen Kaders nicht auf jeden Fall wieder international spielen wie in der Spielzeit 2024/25 in der European League? Aktuell steht Gummersbach auf dem sechsten Platz der DAIKIN HBL – mit einem Spiel weniger drei Punkte hinter dem Fünften aus Lemgo und drei Punkte vor dem Siebten, den Rhein-Neckar Löwen. In den vergangenen Jahren hatte dieser sechste Platz jeweils für den Europapokal gereicht. „Wir wollen natürlich europäisch spielen, aber wir haben Riesenrespekt vor den Mannschaften vor und hinter uns wie Kiel, Melsungen, den Löwen oder den Recken. Es kann noch viel passieren, leider haben wir im November und Dezember einige Punkte liegengelassen“, sagt Sigurdsson. Für ihn war die European League-Teilnahme aus verschiedenen Aspekten lehrreich: „Wir haben aus dem vergangenen Jahr gelernt, dass die Doppelbelastung alles andere als einfach ist. Dennoch wollen wir wieder europäisch spielen.“
Und Europa ist auch ein gutes Stichwort für ein anderes Thema: Isländer bei der EM 2026. Drei der vier Halbfinalisten wurden von Isländern trainiert, das isländische Team zog erstmals seit 2010 wieder in ein Halbfinale eines großen Turniers ein. Da muss beim isländischen Rekordtorschützen und 364-fachen Nationalspieler doch das Herz aufgegangen sein, speziell, weil auch zwei seiner VfL-Spieler (Teitur Örn Einarsson, Ellidi Snaer Vidarsson) für Island auf der Platte standen? „Auf jeden Fall. Auch wenn sie am Ende eine Medaille knapp verpasst haben, war das ein Superturnier für Island. Sie haben eine unglaubliche Qualität und werden sich weiterentwickeln. Das ist ein Team für die Zukunft.“
Aber speziell mit den drei isländischen Trainern verbindet „Goggi“ vieles: „Ich habe unter Alfred Gislason trainiert, habe mit Snorri Gudjonsson zusammengespielt, kenne Dagur Sigurdsson sehr gut. Alfred hat in zwei Jahren unglaublich viele junge Spieler integriert, Dagur hat in Kroatien für eine echte Euphorie gesorgt. Und Snorri hat mit Arnor Atlasson, mit dem ich auch schon zusammenspielte, eine tolle Mannschaft aufgebaut. Ich glaube, Island hat nicht nur viele herausragende Spieler, sondern auch Trainer mit richtig großer Qualität.“













