HBL
ÜberZahl – Die Zahlenkolumne: Torjäger-Torhüter Sergey Hernández

Foto: Popova
Mit 32,1 Prozent kommt Sergey Hernández auf die momentan zweitbeste Paradenquote unter allen 37 Torhütern, die mindestens 100 Würfen gegenüberstanden. Doch der Spanier zeigt auch auf der anderen Seite des Spielfelds für einen Torhüter ungewohnte Qualitäten. In der neuen Ausgabe von „ÜberZahl“ blickt Datenanalyst Julian Rux auf den Rekorde brechenden offensiven Output des Magdeburger Torhüters.
Sein Treffer gegen die MT Melsungen am vergangenen Samstag war bereits das 14. Tor von Sergey Hernández in der laufenden Saison. Mit Abstand führt er damit die Torhüter-Torschützenliste vor Kristian Sæverås und David Späth mit jeweils fünf Toren an. Hernández allein hat gleichviele Tore erzielt wie die in der Torhüter-Torjägerliste auf Rang zwei bis fünf Stehenden zusammen.

14 Tore sind nicht nur Bestwert eines Torhüters in der aktuellen Saison, sondern auch aller Zeiten. Vor dieser Saison wurden noch nie mehr als zehn Tore in einer Saison von einem Torhüter erzielt. Diesen Rekord stellte Hernández selbst erst in der vergangenen Saison auf, als er wiederum Bart Ravensbergens Rekord von neun Toren aus 2023/24 übertraf.
Davor war einige Jahre lang Zoran Đorđić Rekordhalter, der 2004/05 fünf Tore in einer Saison für die SG Wallau/Massenheim erzielte. Acht weitere Torhüter erzielten seither ebenfalls fünf Tore in einer Saison.

Kein Rekord ist vor Hernández sicher
Bei diesen Rekorden ist es auch wenig verwunderlich, dass Hernández die ewige Torjägerliste der Torhüter anführt. In nur 90 Spielen in der Handball-Bundesliga hat er bereits 26-mal getroffen. Im Herbst des vergangenen Jahres überholte er den bisher erstplatzierten Niklas Landin, der in 357 Spielen 19-mal traf.

Auch bei der ewigen Rangliste pro Spiel führt natürlich Hernández mit 0,14 Toren pro Spiel. Bart Ravensbergen liegt mit 0,09 auf Rang zwei vor Hernández‘ Teamkollegen Nikola Portner auf Rang drei. Auf Rang sieben befindet sich Dominik Kuzmanović (0,04), der ab der kommenden Saison das Trikot des SC Magdeburg tragen wird. Bennet Wiegert scheint also gerne Torhüter mit Torriecher in seinem Team zu haben.
Den bis heute gültigen Rekord für Torhüter-Tore in einem Spiel stellte Zoran Đorđić 2008 auf. Damals traf er für die HSG Wetzlar drei Mal bei einer 28:41-Niederlage gegen den THW Kiel. Seither konnten noch Andreas Wolff (2016/17), Malte Semisch (2021/22), Bart Ravensbergen (2024/25) sowie Sergey Hernández (2025/26) drei Tore in einem Spiel erzielen. Auch wenn es in der HBL-Geschichte bisher elf Siebenmeter-Tore von Torhütern gab, war keiner von den Dreifach-Torschützen darunter.
Aber auch hier sticht natürlich wieder Hernández heraus. Die Nummer Eins des SCM ist der einzige Torhüter, der zwei Mal drei Tore in einem Spiel erzielte (am 03.09.2025 gegen Eisenach und am 10.12.2025 gegen Melsungen).
Starker Anstieg an Torhüter-Toren
Was bei all diesen Rekorden auffällt, ist, dass lediglich Đorđić vor 2016 Rekorde aufgestellt hat. Der Grund dafür ist simpel: Seit einer Regeländerung 2016 ist die Häufigkeit, mit der Mannschaften ihren Torhüter für einen Feldspieler auswechseln, gestiegen. Dadurch ermöglichen sie es dem gegnerischen Torhüter, bei Ballgewinn mit einem Wurf über das ganze Feld direkt ein Tor zu erzielen. Seither ist es erlaubt, dass ein für einen Torhüter eingewechselter zusätzlicher Feldspieler nicht mehr klar als Torhüter ausgewiesen werden.
Dies zeigt auch die Entwicklung der Torhüter-Tore. Vor 2016 waren der Höchstwert 12 Torhüter-Tore in einer Saison bzw. 0,02 Torhüter-Tore pro Spiel und Team (Saison 2013/14). Seither gibt es keine Saison mehr mit weniger als 39 Torhüter-Toren (2019/20) beziehungsweise 0,06 Torhüter-Toren pro Spiel und Team (2020/21).

In der aktuellen Saison ist es sogar möglich, dass die Torhüter der DAIKIN HBL einen neuen Rekord an gesamt Torhüter-Toren aufstellen. Mit 0,10 Toren pro Spiel und Team liegen sie aktuell gleichauf mit dem bisherigen Rekordhalter 2017/18, in der 59 Tore von Torhütern erzielt wurden.
Das erste Tor eines Torhüters in der Geschichte der Handball-Bundesliga erzielte Hans-Jürgen Sengera am sechsten Spieltag der ersten HBL-Saison überhaupt für den TuS Wellinghofen beim Hamburger SV.
Sollten Torhüter überhaupt werfen?
Trotz dieser Trefferzahlen stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, wenn der Torhüter aufs leere Tor wirft oder ob damit zu viel Risiko verbunden ist. Denn trotz seiner 14 Tore kommt Hernández auch auf sechs Fehlwürfe und somit eine Trefferquote von 70 Prozent. Insgesamt kommt der SC Magdeburg interessanterweise ebenfalls auf eine Wurfquote von 70 Prozent. Die Abschlüsse von Hernández sind also durchschnittlich gute Abschlüsse für den SCM.
Da aus den Würfen von Hernández keine Ballverluste entstanden sind, könnte man sie eher mit der gesamten Angriffseffizienz vergleichen. Magdeburg erzielt 31,9 Tore pro 50 Ballbesitze, erzielt also in 63,8 Prozent aller Ballbesitze ein Tor. Bei diesem Vergleich ist die Trefferquote ihres Torhüters besser. Aber auch dieser Vergleich ist nicht perfekt. Zum einen müssten die Würfe von Hernández für einen wirklich fairen Vergleich mit den möglichen anderen Optionen statt einem Wurf verglichen werden, was unmöglich ist. Zum anderen ist die Stichprobe mit 20 Würfen natürlich recht klein.
Etwas aussagekräftiger sind deshalb Vergleiche der gesamten Zahlen aller Torhüter. Insgesamt treffen Torhüter diese Saison sogar nur 62,5 Prozent ihrer Würfe, Hernández ist also überdurchschnittlich gut. Wobei der Gesamtwert zwar so hoch ist wie in den letzten fünf Jahren nicht, doch trotzdem ist dies kein klares Zeichen dafür, dass es aus Trainersicht sinnvoll ist, die Torhüter werfen zu lassen. Bei Gegenstößen wird in dieser Saison beispielsweise ligaweit nach 78,3 Prozent der Würfe ein Tor erzielt (ohne Würfe aufs leere Tor), wobei dieser Vergleich aus oben genannten Gründen ebenfalls nicht perfekt ist.
Trotzdem fehlen insgesamt detailliertere Daten, um festzustellen, ob es tatsächlich allgemein sinnvoller ist, darauf zu verzichten, dass Torhüter versuchen Tore zu erzielen. Was die Daten aber klar aussagen, ist, dass es immer die deutlich bessere Option ist, einem Mitspieler den Ball zu spielen, der aus näherer Position aufs leere Tor werfen kann, da dies die Trefferwahrscheinlichkeit deutlich erhöht.
Da es beim SC Magdeburg in der aktuellen Saison wieder einmal herausragend läuft und die Quoten von Hernández gut sind, gibt es beim amtierenden Champions-League-Sieger aber definitiv keinen Grund, den Torriecher von Hernández einzuschränken. Der Spanier wird seinen Torrekord also mit Sicherheit noch weiter ausbauen.
Mehr von Datenanalyst Julian Rux findet ihr auf Handballytics.de. Dort gibt es seine neuesten Artikel, in denen er aus neuen, datenbasierten Blickwinkeln alle möglichen Themen rund um den Handball analysiert. Ihr findet ihn auch auf Instagram, Bluesky, Threads und den WhatsApp-Kanälen.













